Sperma-Gnosis und der Ordo Templi Orientis



Ordo Templi Orientis
Sperma-Gnosis

Carl Kellner
Theodor Reuss
Aleister Crowley

P.R. König


                                  O.T.O. und der Heilige Geist

Zum Verständnis des Gnostikers und des Magiers beginnen wir mit der Kosmogonie ihrer leicht diver­gierenden Weltanschauungen. "Irgendwann am Anfang" ist für beide das Universum auseinanderge­brochen - entweder verschuldet durch den weiblichen Aspekt eines Schöpfers oder aufgrund eines Mittlers zwischen dem Göttlichen und dem Profanen. Das Göttliche hat sich daraufhin beinah voll­ständig aus der Materie zurückgezogen. Das gesamte Universum steht im unsichtbaren Prozess Gott zu werden (und nicht zum Demiurgen, dem Weltenschöpfer).[1]

Der Gnostiker will nun das Universum heilen oder die Gottwerdung beschleunigen, indem er die weni­gen Spuren des beinah vollständig entschwundenen Göttlichen, den Logos, wieder in den Himmel, ins Pleroma, zurückbringt. Für den Magier hingegen ist der im Materiellen hängengebliebene Logos (oder dessen Spuren) das Wort: nun "fleischgewordenes" Göttliches ("Am Anfang war der Logos"); ein Machtinstrument, mit dessen Hilfe Überirdischem und Irdischem der Wille aufgezwungen werden kann. Deshalb braucht der Magier Worte und Rituale, um der Materie und den Geistern Herr zu wer­den. Für den Gnostiker hingegen ist alles ein Hinstreben zurück ins Himmlische, ein Heimfinden à la Novalis.[2]

 

Magier und Gnostiker leben in zwei Welten zur gleichen Zeit. Während sich jedoch der Magier der jenseitigen Welt bedienen will, um über die diesseitige zu herrschen, sucht der Gnostiker nach einer göttlichen Realität, d.h. einem veränderten Bewusstsein in der diesseitigen, die er nur als Schatten der jenseitigen erlebt. Manche Magier und Gnostiker erleben, daß Sexualität als Schlüssel oder Tür in an­dere Realitäten verwendet werden kann (hievon gibt es auch hinduistische, buddhistische, taoistische und natürlich auch tantrische Auffassungen).[3] Sie unterscheiden dabei zwischen asketischer und liber­tinistischer Anschauung. Gnostizismus ist ein schillerndes Set aus sich überschneidenden Traditionen und permanenten Sich-Neuerfindungen, die sich widerspruchslos widersprechen können. Selbstver­ständlich ist es deshalb falsch anzunehmen, dass alle Gnostiker Sperma-Gnostiker seien. Aber im Kontext des O.T.O. ist von diesen zu sprechen. Ich werde die komplexen gnostischen Traditionen nur ansatzweise anklingen lassen, jedoch weder die umfangreiche Literatur, weder die Kosmologie-Ent­würfe im Einzelnen, noch die Historie zurückliegender Gnostischer Gruppierungen streifen.[4] Ich springe direkt zu den Gnostikern dieses Jahrhunderts[5] und vernachlässige meistens die magischen Weltanschauungen. Dieses Kapitel streift den Ursprungsort der modernen Gnosis, nämlich deren weltliche Ebene, wo die Historie der organisierten Gnostiker am meisten beeinflusst wird. Dies rechtfertigt die Nennung dessen, was oberflächlich gesehen aus einer banalen Froschperspektive heraus voreilig zum Umfeld "Klatsch" reduziert werden könnte. Es ist keinesfalls beabsichtigt, damit die Bou­levard-Neugier zu befriedigen, jemanden anzuprangern oder an der zunehmenden Öffentlichisierung und Skandalisierung des ehemals Privaten in der Medienlandschaft teilzunehmen.

 

 

Erlösung

 

In einer Welt zu existieren, die subjektiv als "verfault" erlebt wird (ein gnostischer Ausdruck), schreit nach Erlösung. Diese Erlösung aus dem “Tal der Tränen“, der “Hölle“, der “drückenden Bürde“ findet ihren Anfang beim physischen Körper. Sie wirkt in höhere Sphären hinein (z.B. die gefühlsmässige Ebene und den Intellekt), und schreitet stufenweise fort, bis der Mensch (mit Hilfe des gesammelten Logos) seinen ursprünglich angestammten göttlichen Platz im "himmlischen" Pleroma wieder ein­nehmen kann. Dieses Pleroma, sei es nun "innerhalb" des Menschen oder "ausserhalb" im Welt­raum/Himmel definiert, ist der gnostische "Gegen-Ort" zur "verfaulten Erde". Zwei Wege können ein­geschlagen werden, um die Verfaultheit zu verlassen: sie zu unterdrücken oder zu meiden (das asketi­sche Konzept): oder sie aufzulösen, indem man sie völlig durchlebt (der sinnliche Weg). Auf einer hö­heren Ebene kann man es umgekehrt ausdrücken. Der sinnliche Weg führt zur homöopathischen As­kese: zur Schwächung des "Bösen", indem man sich ihm notwendigerweise hingibt. Der sinnliche Gno­stiker umarmt die "Sünde", um die Verrottung der Welt zu erleben und als Phönix aus ihrer Asche aufzusteigen. Sexuelle Orgien schwitzen den göttlichen Logos aus, der ins Pleroma eingeht. Der Aske­tiker hingegen verabreicht gegen das Gift der Existenz die Missachtung des Körpers als Medizin,[6] der Mensch und die Welt vergiften sich gegenseitig. Beim Asketiker nennt sich das "die sofortige Rückkehr des 'verlorenen Sohnes' zu Gott ist das Ziel der Gnostiker."[7]

 

Der oben eingeführte Begriff der Homöopathie wird verblüffend oft von asketischen Gnostikern in die Praxis umgesetzt. Homöopathie hat in der Tat einiges mit Gnostizismus gemein.[8] Klassische Homöo­pathie und Gnostizismus betrachten beide die materielle Ebene, d.h. den Körper als die bedeutungslo­seste für die Entwicklung des Menschen, obwohl die Materie als Ort der Symptome gilt. Beide Kon­zepte streben nach der Rückbringung der Menschheit und des Einzelnen in einen ursprünglichen Zu­stand von Ordnung und Ganzheit, der sich am wichtigsten Ort, im Himmel und in der Seele zentriert.

Beide, Homöopathie und Gnostizismus, vermitteln, dass die Heilung/Erlösung von Oben nach Unten wirkt und von Innen nach Aussen (Hermes Trismegistos). Während die Gnostiker jedoch ihre Erlö­sung entweder mithilfe von "Optimum durch Maximum" oder "Optimum durch Minimum" anstreben, sucht Homöopathie nach dem Goldenen Mittelweg der Ordnung.

 

Das Hauptanliegen der asketischen und libertinistischen Gnostiker steht und fällt mit deren Konzept von Sperma. Allein das Sperma enthält nämlich den göttlichen Logos, der, möglicherweise vom Mann in die Frau plaziert, ins Pleroma zurückgebracht werden muss.[9] Folgende Fragen drängen sich auf: 1. Können Frauen erlöst werden? und, 2. Was machen wir mit dem Sperma?

Diese zwei Fragen sind die heikelsten in der Geschichte des modernen Gnostizismus und haben er­regte Diskussionen unter den Mitgliedern der verschiedenen O.T.O.-Gruppen ausgelöst, seitdem die­ses Kapitel als Artikel in Frühversionen ab 1995 publiziert wurde. Alle fruchtbaren Kommentare der beteiligten Parteien sind nun in die folgenden Abschnitte aufgenommen worden.

 

 

Die Frauenhasser

 

Da die Gier des weiblichen Aspekts der Schöpfergottheit oder Evas Sündenfall den Sturz ins Profane verursacht hat, ist es nun die Pflicht Adams, dem Universum seine Vollständigkeit zurückzugeben. Physi­kalisch gesehen wurde die Frau für ihren "Sündenfall" mit der schmerzhaften Wunde zwischen ihren Beinen bestraft:[10] an derjenigen Stelle nämlich, an der der Mann "früher" mit ihr verbunden und eins war: damals ein einziger Körper, der perfekte Androgyn, der vollständige Mensch.[11] Deshalb erlebt nun der Mann allein die Lust, die das Universum anfänglich auseinanderriss. Die Frau muss leiden. Nur das Sperma transportiert den Heiligen Logos. Frauen weisen keine Prostata auf[12] und sind zur Erlö­sung des Mannes vollkommen überflüssig, solange er nicht nach Androgynität mit ihrer Hilfe strebt.[13]

Ist eine Erlösung ohne zur Ganzheit des zuvor Auseinandergerissenen zurückzukehren möglich? Wäre eine Vollkommenheit möglich, die verschieden wäre von derjenigen des ursprünglichen Schöpfergot­tes, eine ohne weiblichen Aspekt, ohne Sündenfall?

Falls der Gnostiker "Gebrauch" von der Frau machen will, dann soll sie allein als Öffnung zu höheren Wesenheiten und Bewusstseinszuständen dienen. Ist er Magier, dann will er vielleicht ihr Vaginalse­kret auf eine Kristallkugel schmieren. Findet er als Gnostiker Sinn im Gebrauch des Menstruationsblu­tes? Ist er christlich orientiert, dann nennt er ihr Blut "Das Blut Christi" und konsumiert es als "reli­giöse Nahrung". Empfindet er die Welt als durchgehend verrottet, vermeidet er das Zeugen und Gebä­ren von Kindern und wird Vegetarier. Ein Asketiker vermeidet die Ejakulation sogar mit seiner eige­nen Frau und leitet seine Sexualenergien mithilfe von Yogapraktiken in seinen Kopf, wo er die direkte Brücke zum Göttlichen definiert. Um Androgynität zu erlangen, penetriert er seine Frau ohne Orgas­mus, damit auch sie von "seinem" Glück profitiere.[14] Yoga ist eine der Vorbedingungen, um den Körper zu beherrschen, bevor man ihn als Tempel benützen kann. Im Westen wird der Yoga als Körpergym­nastik missverstanden, die den Körper wendig und den Geist gelassen machen soll. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Yoga" ist jedoch "Vereinigung" und er wurde entwickelt, um mit der Quelle allen Seins Verbindung aufzunehmen.

 

Also: Fast alle gnostischen Bewegungen, seien es nun die alten, traditionellen, oder die neuen, moder­nen, weisen allein dem Mann die Erlösungsmöglichkeit- und aufgabe zu. Frauen sollen Männer wer­den, um erlöst zu werden.[15] Der asketische Gnostiker vermeidet die Ejakulation und lässt die Frau an SEINER wunderbaren Fähigkeit teilnehmen, den Logos zu "produzieren"[16] - der sinnliche Gnostiker benützt ALLE Frauen, um das Pneuma auszuschwitzen.

 

Unsere zwei Fragen (1. können Frauen erlöst werden?, und 2. was machen wir bloss mit dem Sperma?) sind untrennbar. Nur das Sperma offeriert Erlösung und die Frauen müssen Männer werden.[17] Anders gesagt: interner Spermabesitz und die Fähigkeit des Körpers, solches zu produzieren, machen erlö­sungsfähig.[18]

 

 

O.T.O. oder Die Sophisten der Modernen Welt[19]

 

Die Idee, dass Glaube durch sexuelle Impulse getrieben werde, kam im Laufe des 18. Jahrhunderts im Zuge der Aufklärung wieder auf. Systematische Argumente für den sexuellen Ursprung der Religionen lassen sich um 1780 eruieren.[20] J.G.R. Forlong benutzte 1883 den Begriff "Phallo-Solar worshippers" für die Bevölkerung in den anglo-indischen Gebieten.[21]

Drei berühmte Protagonisten des O.T.O.-Phänomens sind: der Österreicher Carl Kellner (1850-1905), der Deutsche Theodor Reuss (1855-1923) und der Engländer Aleister Crowley (1875-1947). Diese mo­dernen Gnostiker (und deren Anhänger) waren Spermagnostiker: Sie verbanden Sperma mit dem Heiligen Logos; und, zumindest Reuss und Crowley, waren Frauenhasser.[22] Während sich jedoch Reuss' Biographie[23] beiden Erlösungswegen, dem asketischen und dem libertinistischen, öffnete, zeigt Crowleys libertinistische Biographie[24] ein Individuum, dessen Universum jeden Tag mehr zusammen­schmolz und dessen Realität sich mit Dämonen bevölkerte, die sich auch im dunkelsten Moment nicht homöopathisch auflösten, um dem Weg des Phönix freizugeben.

 

 

Der "Okkulte Kreis" um Kellner, ca. 1895

 

Während Madame Blavatksy vor "unsauberen und von den Meistern missbilligten" Yogapraktiken warnte, lernte und lehrte Kellner Hatha-Yoga, der sich an die Philosophien von Samkhya, Advaita und seines Freundes Franz Hartmann (1838-1912) lehnte. Er vertiefte sich in Meditationen, um frühere Inkarnationen wieder zu durchleben (Patanjalis Yoga Sutra),[25] in denen er seine Frau als die Grosse Göttin anbetete. Er selber sah sich als babylonischen Priester. In einer seiner Villen befand sich ein fensterloser Kellerraum, in dem laut der "oral History" der Familie die alchemystischen Riten statt­fanden, um das Elixier "herzustellen".[26] Die freimaurerähnliche Struktur des erst später durch Theodor Reuss entwickelten O.T.O. fand in Kellners privatem Hatha-Yoga- Kreis keinen Eingang. Es gibt kei­nen Beleg dafür, dass der Begriff O.T.O. zu Lebzeiten Kellners schon existierte. Sein Privatzirkel nannte sich "Okkulter Kreis" oder "Inneres Dreieck" und konnotierte allein rhetorisch ein Eingebun­densein in etwas anderes. Mit dem Tod Kellners endete die Existenz dieses losen Privatzirkels um Hatha-Yoga. Kellner leitete vielleicht eine deutschsprachige lose Gruppe der "Hermetic Brotherhood of Light" (HBL), die er als einer der 12 (Neu?)gründer in Boston/Chigaco 1895 nach Europa gebracht haben könnte. Techniken dieser HBL waren u.a. der Gebrauch von bewusstseinserweiternden Drogen oder die Fokussierung eines besonderen Wunsches auf einen Talisman.[27] Möglicherweise bestanden Doppelmitgliedschaften dieser losen HBL-Gruppe mit den anderen von Kellner und Reuss annektierten Organisationen, z.B. dem Memphis-Misraim-Ritus oder dem Alten und Angenommenen Schottischen Ritus und eben dem Hatha-Yoga-Kreis.[28] [Für die Spekulationen in diesem Abschnitt existieren keine schriftlichen Unterlagen.]

 

 

Fraternitas Lucis Hermetica (FLH) = Hermetic Brotherhood of Light (HBL)?[29]

"Die wahren aktiven Glieder des O.T.O. werden Hermetische Brüder des Lichts oder Illuminaten ge­nannt, was von Fra Peregrinus X° O.T.O. (Theodor Reuss) und Baphomet XI° O.T.O. (Aleister Crow­ley) historisch festgelegt wurde." (H.J. Metzgers Attest, 9.1.1963)[30]

"The Hermetic Brotherhood of Luxor" ist von Pascal Beverly (1825-8.10.1875) gegrün­det worden. Der innere Zirkel hat sich "Fraternity of Eleusis" genannt. 1886 ist die allein in Boston existierende HBL geschlossen worden, worauf man die "Eulis Brotherhood" gründete, welche Carl Kellner oder auch den Franzosen Encausse/«Pa­pus» beeinflusst haben könnte.

Am 22.1.1917 stellte Reuss in seinem Manifesto "Anational Grandloge & Mystic Temple: Verità Mi­stica, Or. Ascona" den O.T.O. noch als "Hermetic Brotherhood of Light" vor.[31]
Es ist jedoch anzunehmen, dass dies nur ein Schwindel von Reuss war, der in einem Brief an Crowley zugab, dass dies nur aus 'taktischen Gründen' geschah: die Bezeichnung 'Hermetic Brotherhood of Light' zu verwenden. Im Grunde genommen meinte Reuss die "Asiatischen Brüder vom Rosenkreuz", die "mächtigen und weisen Orden der Ritter und Brüder des Lichts".

Reuss to Crowley, 1917

Hin und wieder hat auch Heinrich Tränker diese Bezeichnung verwendet, zum Beispiel auf der "2nd Fama" von 1930.

 

 

Der O.T.O. unter Theodor Reuss

 

Nach Carl Kellners Tod 1905 führte Reuss Kell­ners Hatha-Yoga in ein freimaurerähnliches System über, in dem die ersten sieben rituell verliehenen Grade zur Öffnung der Chakras dienten[32] und die letzten, sexualmagischen Wissensgrade nur noch "per communicatio" verliehen wurden. Der X° bezeichnete den nationalen Führer, der dem weltweiten Oberhaupt, dem Outer Head of Order, OHO, unterstellt ist. Reuss führte Kellners Yogapraktiken wei­ter, indem er den Manichäismus miteinbrachte.[33] Im Manichäismus ist die Materie böse, also ein Ort der Verwesung. Obwohl sich der Manichäismus in seinen Schriften ausdrücklich asketisch äussert (kein Fleisch, keine Ehe, kein Geschlechtsverkehr), gibt es auch anderweitige Berichte. Ohne ins Detail gehen zu wollen: Es gehört zum festen Bestandteil des Manichäismus, daß sich "Engel" mit den Archonten geschlechtlich vereinigen und so deren "schlechte" Fesseln lösen. Archonten sind die Mächte, die das zwiebelschalen-artig aufgeteilte Universum bewohnen und die Menschen versklaven. Der Sin­gular Archon ist der Demiurg, der Weltengestalter/Schöpfer. Durch die Vermählung des Guten mit dem Schlechten werden die Seelen reingewaschen, und was übrig bleibt "allen Arten auf der Erde bei­gemischt".

 

Die Sexualorgane gelten als heilig und eine Heilige Messe bildet symbolisch die permanente Neu-Schöpfung des Universums ab.[34] Grundgedanke ist hierbei, dass durch "Zusammenarbeit" von Frau und Mann die geistige Weiterentwicklung gefördert wird. Die sexuelle Ebene als Spiegel des kosmi­schen Schöpfungsaktes. Von Eingeweihten durchgeführt, erhält die Abbildung der Ur-Schöpfung Ver­stärkung. Somit bleibt die göttliche Eigenschaft der Schöpfung erhalten, nämlich ewig und immerwäh­rend zu sein, anstatt einmalig und vorbei. Dies unterscheidet sich vom Christentum, das Gottes Schöpfungsakt einem bestimmten und vergangenen Zeitpunkt zuordnet. Die sinnlichen Erregungszu­stände, die sich innerhalb von Frau und Mann während eines Geschlechtsaktes aufstauen, entstam­men nicht allein den physischen Berührungspunkten, sondern auch der Polarität Frau-Mann per se. Richtig angewandtes Atmen beeinflusst die Chemie des Blutstroms und die Hirnumgebung. Bewusst­sein und Ego machen dem Göttlichen Platz. Diese Sexualenergien werden sodann mithilfe weiterer Atemtechniken "gespeichert", und deren Transmutation verwandelt den Magier in einen "Seher".[35]

Eine ausführliche Analyse von Reuss' Sperma-Gnostik im Kapitel zum "Korrekten Gnostizismus".

 

Da nun Reuss begann, den Begriff "Hermetic Brotherhood of Light" als Oberbegriff für seinen O.T.O. in den Briefköpfen zu verwenden, ist anzunehmen, dass er zumindest daran dachte, verschiedene Er­leuchtungs- und Erlösungstechniken dieser Gruppe für sein System zu adaptieren: Die Verwendung von bewusstseinserweiternden Drogen während des Sexualaktes und die Fokussierung von sexuellen Energien auf ein materielles Medium (z.B. einen Talisman oder eine Photographie), um sich Wünsche zu erfüllen. Reuss lehnte (magische) Masturbation (dem VIII° unter Aleister Crowley) als "Selbstpeini­gung" und "widernatürlich" ab.[36] Trotzdem blieb für ihn der Lingam der Schöpfer des Universums. Es gibt Berichte, nach denen sich Reuss homoerotisch[37] betätigt habe ("gegenseitiges Betasten der phalli")[38] (ein Teil des "geheimen" XI° unter Crowley), Zentralgeheimnis von Reuss' O.T.O. blieb je­doch Richard Wagners "Parsifal". Der Speer wurde zum Phallus, während der Gral, natürlich die Va­gina, die Grals-Speise enthielt: Sperma und Vaginalsekrete. Reuss' O.T.O.-Gesellschaft nahm eine Art sozialistisches Utopia zum Ziel, in dem die Mutter (mit Referenzen zur christlichen Maria) Zentral­stelle im öffentlichen und sexuellen Leben einnehmen sollte: in der "Gemeinschaft der Neo-Christen O.T.O.".[39] Crowley übernahm die gnostische Auffassung, das Ur-Christentum wieder einführen zu wollen, denn auch unter ihm sollte der O.T.O. "to restore Christianity to its real status as a solar-phallic religion".[40]

 

 

Der O.T.O. unter Aleister Crowley

 

Nach Reuss' Tod 1923 verwandelte Crowley den O.T.O. in ein Unternehmen zur Geldbeschaffung.[41] Er wollte das "Lebenselixier" unter dem Namen Amrita als "Magische Medizin" gewerblich ver­treiben[42] und Patienten gemäss "O.T.O.-Methoden" heilen:[43] mit Yogapraktiken und Sexualsekreten.[44] Wie viele andere z.T. imaginäre Orden, benützte Crowley den O.T.O., um seiner Anhängerschaft das Geld aus der Tasche zu ziehen. Zu diesem Zweck behauptete er, Sex sei um der puren Lust willen zu vermeiden,[45] sondern immer als Gebet zu seiner eigenen Gottheit (die unter den verschiedensten Na­men auftrat: Aiwaz, Baphomet, Sheitan)[46] aufzufassen - letztlich als Gebet zu seiner eigenen Person, die mit einem erigierten Penis identifiziert wurde.[47] Crowley selber sah sich gerne "a Messiah".[48]

 

Thee Satan, My Saviour?

"I was compelled to set myself in opposition to the Bible itself," "I simply went over to Satan's side; and to this hour I cannot tell why," (The Confessions of Aleister Crowley, edited by John Symonds/Kenneth Grant, London 1969, 67, 73).

Crowley identified Aiwaz, the outer-human-intelligence who allegedly dictated the Book of the Law in 1904 with/as "Thee Satan my saviour", diary entry 15th March 1922. Crowley saw Aiwaz, His Holy Guardian Angel, as the messenger/avenger of Hoor-Paar-Krat, ie Set, god of destruction, brother and murderer of Osiris. Set is Shaitan, the role-model for the christian Satan. Crowley referenced this also when he credited "thanks to Aiwaz, our Lord God the Devil," or: "I sing for God, our Devil, our Lord, Aiwaz," etc. (Magical Records, 22nd and 28th July 1920. Similarily also in Symonds/Grant: "Magical and Philosophical Commentaries," Montreal 1974, 81). See also Crowley's Liber Samekh/The Bornless Ritual: "Thou Satan-Sun [...] Satan, my Lord! The Lust of the Goat!".

Diary, 30th June 1920: "When I was [Eliphas] Levi, I drew myself as Ayin or Baphomet, 'The Devil', with Beast's Head. This is the Beast throned, crowned, exalted; the leaper, the erect, the butter-in. Her womb is my city, Babel. This Ayin is then my Phallic Will, my Holy Guardian Angel, Aiwaz, who was afterwards called Satan." Diary 19th/20th January 1918 about Baphomet: "I find 729 = the curse of Satan! Of course."

His sexmagickal formula was summoned in ShTN (Shaitan, Set, Satan): Sh the magical fire, T the lion snake, N as the Scarlet Woman. Defining himself as To Mega Therion equates him with Shaitan. Crowley is Aiwaz and equally Thelema in persona: Diary 22nd October 1920: "I am the Beast [...] I am Thelema" and on 27th May 1917: "I myself AIWAZ have been considering all the time how to act as to Crowley's body and mind." On 14th June 17: "I am getting quite to the point of habitual recognition of myself as AIWAZ."



Crowley's O.T.O.

 

In Crowleys VIII° ejakulieren seine Anhänger (heute noch) auf mittelalterliche Dämonensiegel oder meditieren mit Hilfe der Statue eines goldenen Phallus, um in Kontakt mit dem eigenen Heiligen Schutzengel/Überich zu gelangen.[49] Im IX°-Akt werden die Sexualsekrete (inkl. Sperma) aus der Va­gina gesaugt und, wenn nicht als heilig konsumiert, auf ein Siegel gebracht, das einem Dämon gebie­tet, einen bestimmten Wunsch zu erfüllen.[50] In seinen "Emblems and Mode of Use"[51] beschrieb Crowley die Art und Weise wie ein Talisman mit Sperma zu bestreichen sei, um irgendwie Geld herbei­zuschaffen.[52] Bis in die 70er Jahre hinein war dieses Papier dermassen geheim, dass dessen Besitz gleichzeitig den IX° O.T.O. bedeutete.[53]

 

Crowley spielte mit den verschiedensten sexualmagischen Methoden. Eines der O.T.O.-Geheimnisse ist die Anbetung des alten Templeridols "Baphomet" als "Inner Head of the Order". Während die Fra­ternitas Saturni versucht(e), diesen Baphomet als fleischlichen Egregor zu inkarnieren,[54] ist die Be­deutung von Baphomet in all den O.T.O.-Gruppen, die seit dem Tode Crowley 1947 auftauchten, nicht ganz klar. Dieses Wesen kann man mithilfe verschiedener Techniken fleischlich als Homunkulus in­karnieren, wozu Crowley einen weiblichen Partner empfahl, den es solange bis die Schwängerung ein­tritt, astrologisch bedeutsam zu begatten gelte.

Im XI°, dem hauptsächlich homosexuellen Grad,[55] der jedoch auch Menstruationsblut miteinbezieht, identifiziert sich der Praktiker mit einem ejakulierenden Glied.[56] Blut (oder Kot), das beim Analver­kehr oder durch rituelle Opferung anfällt, soll den Dämon anziehen, Sperma ihn "am Leben erhalten". Während der geheimste Tempel im IX° der Uterus ist, fungiert als dessen Gegenstück im XI° die Pro­stata -- ihr wird besondere Bedeutung zugeschrieben, da sie 256 magische Säfte absondern soll.

Crowley übertrug seine Frauenfeindlichkeit auch in seine O.T.O. Rituale.[57] Er sah keine Verwendung für die Vaginalsekrete und schrieb Frauen keine Göttlichkeit zu.[58] So konnte er sich auch keine lesbi­sche Sexualmagie vorstellen. Er betrachtete den "Mann als Hüter des Göttlichen Lebens; die Frau aber als nur zeitlich beschränkt zweckmässig, als Schrein für die Gottheit, aber nicht als Gottheit selbst." Frauen existierten für Crowley allein zum Gebrauch der Männer. Sein Idealweib: "robust, lebhaft, gierig, einfühlsam, bereit und gesund". Anders gesagt, sein Interesse galt allein dem Körper der Frau.[59] Er wollte keine geistige oder intellektuelle Beteiligung ihrerseits.[60] Seine Hauptwerkzeuge zur Erleuchtung blieben Lotophagie, Spermatophagie, Koprophagie, Urolagnia und Algolanie.

 

 

Einfache Anleitung zur Crowleyschen Sexualmagie

 

Masturbiere erst mal bis kurz vor dem Orgasmus. Beginne dann den Akt mit folgenden Worten: „Möge der Herr in uns das Feuer seiner Liebe entfachen und die Flamme eines immerwährenden Orgasmus." Sobald der Penis eingedrungen ist, müssen Geist und Wille andauernd und intensiv auf den zu erfüllenden Wunsch gerichtet sein. Trotzdem muss, um vollkommene Übereinstimmung zwischen dem Magier und seiner Partner zu erzeugen, während des Aktes ein Mantra gemurmelt werden (Oh Höchstes, oder: Aum). Es ist von aller­höchster Wichtigkeit, dass im Orgasmus (der auf mehrere Mi­nuten ausgedehnt werden kann) der Wille dauernd auf seinen bestimmten Wunsch konzentriert sein muss -- und erst dann zum Stillstand kommen darf, wenn sich das Sperma des Sexualmagiers mit den Körperflüssigkeiten seiner sexualmagischen Partner vermischt. Alle Partner sollten ihren Orgasmus gleichzeitig erleben.

Die Dauer des Aktes sollte zwischen 2-5 Stunden betragen. Der Orgasmus muss so lange wie möglich ausgedehnt werden. Der Erfolg hängt von der vollkommenen Kontrolle ab. Das ist die Bedeutung des Satzes "Liebe ist das Gesetz, Liebe unter der Kontrolle des Willens."

Das Resultat das ganzen Aktes heisst "Stein der Weisen" oder "Universalmedizin." Das perfekt zubereitete sexualmagische Elixier aus Sperma, Vaginalsekreten und anderen Körpersäften muss nun vom Magier am besten durch Saugen aus der Vagina oder dem After (falls auch Exkremente eine Rolle spielen sollen) eingesammelt und wieder mit dem Partner oder Partnerin geteilt wer­den. Das richtig zubereitete sexualmagische Elixier ist kräftig, süss und stark. Es wird rhythmisch von einem Partner zum anderen in den Mundhöhlen hin und hergereicht, ohne mit der Luft in Berührung zu kommen. Es muss von den Schleimhäuten aufgenommen und darf nicht geschluckt werden.[61] Deshalb behalten die Magier das Elixier unter der Zunge, wo sie es langsam und portionenweise mit dem Partner durch einen Zungenkuss austauschen, während sich beide auf ihr Ziel (z.B. Geld) konzentrieren. Das Elixier kann ausserdem durch die Nase in die Stirnhöhle hinaufgesaugt oder auf den Anus, den Damm oder auf die Augen­brauen appliziert werden. Zusätzlich lässt sich das aus diesem Akt gewonnene Elixier in den After einfüh­ren und dann wieder, zusammen mit den Analsekreten, nach Belieben verwenden. Eine Portion wird aufbe­wahrt und in physischen Kontakt mit dem magischen Bindeglied z.B. einem Perga­ment oder einem Talisman mit den entsprechenden Symbolen drauf gebracht. So schmierst du, z.B. um Geld zu beschaffen, das Elixier auf eine Goldmünze oder einen Ring -- für Gesundheit berührst du damit die Erde oder reibst es auf den nackten Patienten.

Besonders begabte Sexualmagier können das Elixier durch den Penis wieder einsaugen, wo es im Körper zur Erleuchtung beiträgt.[62]

Wie ein Weinkenner notierte sich Crowley die Konsistenz, den Geruch, Geschmack und die Quantität seines Sperma-Ausstosses. Ein typisches Beispiel: "Orgasm very strong and savage. Elixir, nearly all absorbed, [Leah Hirsig] could only get a few drops." Oder auch, "Elixir, nothing special – good though when duly mixed." Sein Sperma war der Logos.  Obwohl er seinen Anhängern jegliches Gieren nach Erfolg verbot, hatte Crowley nach der Ejakulation nichts Eiligeres zu tun, als sofort jeden Tropfen auf ein Omen hin zu untersuchen, das I-Ging zu werfen und in Büchern nach kabbalistischen und astrologischen Korrespondenzen zu suchen.

 

 

Gestrandete Bischöfe

 

Nur halbwegs die Pflichten der "Manichäischen Auserwählten" übernehmend (nämlich durch Konsu­mation das Göttliche Licht wieder einzusammeln, das der Logos spermatikos spurenweise im Men­schen hinterliess, als er wieder ins Pleroma zurückkehrte), vernachlässigten Crowley und Reuss den asketischen Aspekt des Manichäismus (keine körperlichen Aktivitäten, Fleischverzicht, etc., die das Göttliche Licht im Menschen wieder zerstreuen würden) und konzentrierten sich auf die Herstellung des Göttlichen Licht-Körpers, der durch Konsumation die Rückkehr in den Heiligen Bereich des Himmels, das Pleroma, ermöglichen sollte.[63] Dieser Licht-Körper ist die aus Sperma, Vaginalsekreten und Menstruationsblut bestehende Hostie. So wurde aus der Gnostisch Katholischen Messe à la O.T.O.[64] und dem IX° O.T.O. eine Parodie der christlichen Eucharistie, was vor allem die Konsumation der Hostie (die auch als "Universalmedizin" eingesetzt wird) betrifft.

 

Crowley gab eine genaue Rezeptur zur Herstellung seiner Hostie schon Jahre bevor er dem O.T.O. beitrat.[65] Heutzutage sind Variationen im Gebrauch. Zur Vermeidung einer HIV-Infektion empfiehlt der amerikanische 1977 gegründete O.T.O. (‘Caliphat’), die Hostie bei 70° im Ofen zu backen.[66] Im III° Initiationsritual wird ebenfalls ein Kelch gereicht, der "bitter draught" enthält. Dazu der Chef dieser Gruppe, William Breeze: "The original ritual specified blood and laudanum. The use of either of these substances is against O.T.O. regulations for very sound reasons of medical and legal liability." Es werden deshalb empfohlen: "Angostura bitter, Fernet Branca, or a mixture of vodka and powdered myrrh."[67] Ein bisschen Asche von nach dem Originalrezept hergestellten Lichtkuchen (Liber AL III;23) darf der Hostie jedoch beigefügt werden.[68]

 

Crowley benützte ausserdem eine ganz besondere Mischung für seine Hostie. Zwischen 1920-23 frönte er den Drogen Kokain, Äther und Heroin, der Koprophagie und sadomasochistischen Phantasien, in denen er als Sklave fungierte. Im Sadomasochismus kommen alle Formen religiöser Frömmigkeit zum Ausdruck (knien, beten, verehren, opfern, anrufen, bestrafen) und werden in ihren Idealrollen ausge­lebt: die perfekte Superiorin zu entdecken und den perfekten Sklaven (Crowley). Das ewige Schuldge­fühl überträgt sich auf das Umfeld des Sklaven und verschmutzt dieses: wer Crowley liebte oder zu ihm zärtlich wurde, musste also von ihm vernichtet werden, denn Crowley konnte nur das Unerreich­bare lieben: den Grossen Abwesenden Vater und seine unpersönliche Scharlachrote Hure (was ja ein Amt, also eine ritualisierte Stereotype, war), die auf ihm, dem selbsternannten Tier, reitet (so auch seine Tarot-Karte). Die Selbstverleugnung äusserte sich im Schutz des Prinzips Thelema, die Ab­stumpfung des Körpers im Drogengenuss und yogischen Körperübungen. Die lustbetonte Minderwer­tigkeit suchte sich im Widerstand gegen alle Vernunft. Auf diese Weise wurde Crowley gezwungen, die Grenzen seines persönlichen Gottes, der Logik, zu erkennen und die Selbstzerstörung soweit zu trei­ben, dass die Möglichkeit rationalen Denkens zerstört wurde. Crowley drückte seine Schuldgefühle durch Koprophagie aus: Indem er über andere (seine Anhänger und die Nicht-Thelemiten) Gericht hielt und sie bestrafte, machte er sich einerseits zu seiner eigenen Obrigkeit (der Ewigen Grossen Ab­wesenden Vaterfigur), suchte jedoch anderseits selber nach Schutz. Zusammen mit seinem religiösen Verlangen, vor einem höheren Wesen (seinem Schutzengel) die Kontrolle zu verlieren, als Botschafter einer höheren Macht zu fungieren (also selber brauchbares Manipulationsmaterial zu werden), suchte er mit offenen Armen nach der tödlichen Wunde der Selbstauslöschung mithilfe der Selbsterniedri­gung durch vollständige Identifikation mit dem Niedrigen. Selber zum manipulierbaren maja zu werden. Der Kot der Scharlachroten Hure reinigte den Sklaven und er konnte ausserdem eine "göttliche" Reliquie, die ihm Energie zuführte, ergattern. Anders gesagt, Crowleys Überkompensation der Minderwertigkeit führte zum Streben nach der Göttli­chen Normalität, d.h. der Vergoldeten Scheisse. Schon lange vor dem Entdecken der Sexualmagie träumte der 22jährige Crowley 1898 in einem Gedicht von seiner Unterwerfung:

"Thy head beneath the mire / And dung of worthless women shall desire [...] Woman must trample thee till thou respire / That deadliest fume." Und "I drown in delight at the thought that I who have been Master of the Universe should lie beneath Her feet, Her slave." Gerne befolgte er die Aufforderung seiner Scharlachroten Hure Leah Hirsig, ihren Kot auf einem Silbertablett serviert, zu verzehren, während sie ihm ihre Zigarette auf der Brust ausdrückte. Und als sie ihren Urin auf ihm entleert, schreibt er "Straddle your Beast, My Masterful Bitch [...] Now from your wide Raw cunt, the abyss / Send spouting the tide / Of your sizzling piss / In my mouth; oh my whore / Let it pour, let it pour!"

 

In Crowleys Fall scheiterte der Sadomasochismus an der Unfähigkeit der ausgewählten Scharlachroten Huren, korrekte Sadistinnen zu sein: er hatte sich potentielle Säuferinnen ausgewählt, deren schwache Ich-Barriere in Trance von aussermenschlichen Wesenheiten während magischen Ritualen durchbro­chen werden musste. Crowley wandte sich in der Folge gegen sie, griff sie an, warf sie als Gebrauchs­gegenstand weg. Und so folgte auf seine Erniedrigung keine befriedigende Verherrlichung. Sein Schutzen­gel, dem er sich unterworf wie einer seiner Scharlachroten Huren,[69] zog sich aus ihm zurück, wurde im Laufe der Zeit ein externes Wesen und letztendlich verschwand er ganz.[70]

 

Falls überhaupt je ein gnostisches Übergebäude dem O.T.O. unter Reuss Halt gegeben hat, wird mit Crowley die Religiosität endgültig durch Magie und sog. "Selbstvergottung" verdrängt.[71] Obwohl man in Crowleys O.T.O. immer noch vom "Sanktuarium der Gnosis" spricht (womit die sexualmagischen Grade gemeint sind), scheint von Gnosis nicht mehr viel vorhanden. Die Bedeutung des Sperma als Logos findet keine Verwendung mehr bei Crowley, der es praktisch-magisch mehrheitlich für seine "weltlichen" Interessen einsetzt. Der Gott gewordene Mensch à la Crowley will letztendlich irdischen Wesen durch die Kraft seiner Göttlichkeit befehligen. Bis die endgültige Gottwerdung jedoch verwirk­licht ist, möchte er sich durch rituelle Identifikation mit dem Göttlichen lediglich stimulieren.[72] Letzeres ist auch bei Reuss' O.T.O. Mittelpunkt und Ziel des Ganzen. Reuss' "unter Kontrolle des Willens in Gott vollzogener Liebesakt," "eine sakramentale Handlung, eine "mystische Hochzeit mit Gott", ein Kommunizieren, ein Sich-Vereinen mit Gott, mündet bei Crowley jedoch in ein zum "selber Gott wer­den."[73] Als Magier löst sich Crowley so nicht im Licht auf, sondern durchlebt einen Werdeprozess im Irdischen. Er verpasst es, sich als Gnostiker im fliessenden Licht des Göttlichen aufzulösen. Crowleys Universum besteht aus theoretischen Ritualisierungen von Selbstauflösungskonzepten, Strategien der Entkoppelung von Persönlichkeit, Identität und Handeln, die jedoch in der Person Crowleys und sei­ner Anhänger zu narzisstischen Selbst- Stilisierungen und Selbstdressurexperimenten degenerieren.

 

Die dem 'Caliphat' angeschlossene "Gnostic Church" parodiert die Römisch Katholische Kirche, indem sie Ämter wie Patriarch, Erzbischof, Bischof, Novize, Priester und Diakon (natürlich auch immer in der weiblichen Form) einführt. Anstoss haben schon Reuss und Crowley mit "Priester" und "Diakon" in ihrer "Gnostischen Messe" der 1910er Jahre gegeben. Heutzutage wird das Angebot um folgende Ze­remonien erweitert: Kindstaufe, Erwachsenentaufe, Konfirmation, Ordinierung des Diakons, Hoch­zeit, Todesfeier und einen Exorzismus. Ausserdem gibt es eine Zeremonie für den Kranken- und Un­terhaltsbesuch, Tierweihungen[74] und natürlich eine Liste von Heiligen (die ausser in Sonderfällen) keine Frauen enthält. Verstorbene OHOs werden automatisch heilig.

Dem V°-Ritual werden Christliche Gebete der Römisch Katholischen Kirche angehängt: "Die Litanei der Heiligen Namen Jesu", "Die Litanei des Heiligen Josef" und die "Litanei der Gebenedeiten Jung­frau Maria".[75] Dies soll als Referenz zum Grossen Magier (also Jesu) des vergangengen Aeons aufge­fasst werden, als Erinnerung daran, dass die Grossen Zyklen aufeinander aufbauen und dass der Wahre Meister Jesu keineswegs der politische Zuchtmeister gewesen sei, als den ihn der Paulismus (d.h. der Papst) hinstelle. Diese Gebete und O.T.O.-Rituale werden von Musik von Mozart, Holst, Strauss und Mahler begleitet.[76] Ungeachtet der traditionellen Bedeutung des Begriffs "Wandernde Bischöfe" nennen sich einige amerikanische O.T.O.-Bischöfe "Gelandete Bischöfe".[77]

 

 

Schwitzen verklebte Chakren Pleroma aus?

 

Der O.T.O. war und ist immer noch ein Teil des ethnologischen Untergrundes der Kultur, der die Auf­merksamkeit des Mainstreams sucht und auf sich zieht. Auf dem Grund dieses dunklen Schachtes liegt allein eine Hand­voll Sperma. Und weil diese Tatsache zu einfach ist und vielleicht zu beschämend, wird sie von den Anhängern dieser Lehren in Euphemismen eingepackt. Die alten Gnostiker verhielten sich hingegen weniger prüde und benannten ihre religiös-sexuellen Techniken (Ejakulationsvermeidung oder Kon­sumation der Sexualsekrete). Der moderne Gnostiker hingegen bedient sich im Supermarkt der west­lichen und östlichen Traditionen ausserhalb des traditionellen Spermagnostizismus,[78] um das Sperma im innersten Heiligtum seines Tempels zu verstecken.[79] Der Bruch im Universum soll (zumindest nach aussen hin) mit Ritualen, Liturgien, Gesängen, Mantren, Weihen und grossen Worten gekittet werden. Aber das Mysterium ist verlorengegangen: zuviel Materialismus herrscht in den O.T.O.-Gruppen, der den Suchenden zu Boden zieht und ihn daran hindert, eins mit dem Göttlichen zu werden. Nach vielen Jahren Mitgliedschaft und zahlreichen Mitgliedsbeiträgen, nach dem Kauf aller Bücher des angebete­ten Propheten Crowley, nach deren Lektüre man schon ziemlich schnell um das "Geheimnis" weiss, merkt das O.T.O.-Mitglied vielleicht, dass ihm die Mitgliedschaft keine organisiert kanalisierte Gnosis vermittelt kann. Niemals kommen diese O.T.O.-Mitglieder näher an Gnosis als durch Sex mit ihrem Bischof. All dies und die komplexe Ordensstruktur,[80] die Ausrichtung der Lehren auf die defizitäre Biographie Crowleys, die Vermischung von gnostischen Doktrinen mit Projizierungen charismatischer Führer lassen den O.T.O. selber als einen unerträglich "verfaulten Ort" erscheinen. Unbrüderliches Verhalten, aufgeblähte Egos,[81] Lügen, Intrigen und Hysterie erzeugen endlose O.T.O.-Splittergruppen, die sich gegenseitig mit Gerichtsprozessen bedrohen und alles andere als die ursprünglich angestrebte Gnosis zu erzeugen scheinen.

 

Crowleys O.T.O.-Gruppen sind bis zum Wanst mit seinem Konzept von Thelema gefüllt, das als Filter gegen Geschichte, Religion, Philosophie, Magie und dem Alltagsleben eingesetzt wird.[82] Eine Menge Crowley-Anhänger sind über den implizit homosexuellen Background der Auffassung, dass allein Sperma den Heiligen Logos transportiere,[83] schockiert, und glauben, dies sei ein Missgriff und Miss­verständnis des Schöpfungsaktes. Zeitgemäss propagieren sie eine gnostische Gleichstellung des Weiblichen mit dem Männlichen und stellen die Zeugung, d.h. Schöpfung in den gnostischen Mittel­punkt. Trotzdem forcieren sie nach wie vor eine kabbalistische Auffassung des Spermas als Logosträ­ger: nämlich dadurch, dass die Frau immer noch als "giver of form" betrachtet und als solche magisch-gnostisch eingesetzt wird.[84] In Thelema sind die gnostischen Lehrsätze an die Doktrin des Wahren Willens angepasst: Jeder Mann und jede Frau haben einen "Daseinsgrund", sie haben sich willentlich dazu entschlossen, auf die "verrottete Erde" hinabzusteigen und eine Mission zu erfüllen, obwohl sie diese vergessen haben. Es ist nicht nur ihre Aufgabe, der verrotteten Erde wieder zu entfliehen,[85] son­dern auch herauszufinden, weshalb sie gekommen sind[86] und welche Funktion sie zu erfüllen haben.[87] Alles in allem, scheint Thelema per se "Verrottung" auszustrahlen.[88] Der in der Psychologie nicht mehr gern gesehene Thanatos scheint Form und Maske von Eros anzunehmen.

 

Einige Jahre nach Publikation dieses Essays gelangt David Scriven, Grossmeister des 'Caliphats' zu folgenden Gedanken: "Before the processes of mitosis and meiosis were fully understood, there was a great deal of speculation and contention about which sex was responsible for carrying the true Essence of Life, and the various hypotheses proposed were influenced by religious, cultural, and even political concerns. The thinking on these matters from ancient times through the Renaissance (in Europe) fell generally into two major camps. One held that it was the male who carried the True Essence, the Seed of Life, and who “planted” this seed in the fertile soil of the womb of the female, where it was nourished and protected as it developed, on its own, into new Life. For these phallicists, only men possessed this Divine Spark of Life, and women did not. The ovists, for lack of a better term, held the opposite; that it was women who possessed the Seed of Life within their bodies, and that the function of men in the reproductive process was one of enabling or fertilization; of “watering the soil” so that the seed that resided therein might sprout and grow. During the 17 th and 18 th centuries, these primitive doctrines were refined into a scientific school of thought called preformationism, which held that living beings were essentially fully-formed prior to conception. This school of thought was divided into the two classical factions, the spermists and the ovists. The doctrine of spermist preformation is exemplified by the famous Homunculus image, drawn by Nicholas Hartsoecker in 1694, and supposedly based on an observation of Anton van  Leeuwenhoek. The image shows a spermatozoon containing, within its head, a tiny, but fully-formed, human being, and the implication is that the sperm contains the complete, preformed essence of the unborn person; whereas the egg is merely an inert, nutritive, sheltering matrix. Crowley reproduced Hartsoecker’s Homunculus on the Hermit Trump of the Thoth Tarot Deck.  [page 2, snip] As advocates of Crowley’s concept of scientific religion, we need to be prepared to discard scientific doctrines when they are rendered obsolete, even when such doctrines support our spiritual and social paradigms. We may continue to enjoy and revere our holy books, our historical writings, and our customary rites, because these things have historical, symbolic, spiritual, and even talismanic value to us. But we must not allow ourselves to be bound to interpretations, explanations, and applications of our symbols that are based on outmoded and discredited ideas about nature. The true significance of our great and living symbols extends much deeper than such shallow and transient notions. As I have said before, a true symbol is not merely a cipher. If we actively listen to them, our symbols will continue to speak to us the truth, to the extent that we have the capacity to comprehend it.[89]

 

Obwohl all die O.T.O.-Gruppen als ganzes ein "verrotteter Ort" scheinen, an dem der Sucher mit Leichtigkeit ins Pleroma gelangen könnte, findet kaum Gnosis statt[90] und Dia-Gnose ist gefragt. Der Orden wird zur mütterlichen Projektionsfläche, auf die Vaterfiguren (z.B. Crowley) geworfen werden. Die sexuelle Revolution der Lust und Gnosis degeneriert und erleidet psychologische Deformatio­nen.[91] Diese Gnosis bringt weder homöopathische (sinnliche), noch allopathische (asketische) Erlö­sung.

 

 

Sperma als homöopathische Medizin?

 

Gnostiker und Homöopath versuchen beide, den Menschen wieder der Göttlichen Ordnung des Uni­versums näher zu bringen. Der Gnostiker sucht unmittelbare Anwesenheit des Göttlichen, während der Homöopath die grösstmögliche Ausgeglichenheit des Einzelnen in Ordnung mit dem Universum anstrebt. Hippokrates meinte, dass Krankheit von Gott käme; von Oben; und dass die materielle Ebene als verwundete Göttlichkeit anzusehen sei. Einige Gnostiker sehen nun im Sperma die univer­selle (alchemystische) Medizin, die alles heilt. - Während meiner Untersuchungen des O.T.O.-Phäno­mens begegnete ich verschiedenen asketischen Sperma-Gnostikern, die Homöopathie praktizierten. Aus diesem Grund versuche ich nun, den möglichen homöopathischen Aspekt der Sperma-Konsuma­tion zu diskutieren.

 

Es ist meine Ansicht, dass Sperma, sobald es als Vehikel für den Göttlichen Logos definiert wird, NICHT gleichzeitig als homöopathische Medizin wirken kann, da die Ähnlichkeit der homöopathi­schen Medizin mit der Ähnlichkeit eines "kranken" Patienten auf der Ebene einer absoluten und indi­viduellen Einheit aller Symptome korreliert und auf der Eigentümlichkeit einer übergeordneten "Krankheit"/Unordnung. Freudianisch gesehen, basiert in der Homöopathie jede Verordnung auf der Gesamtheit der Symptome, in der das Wirken des Abwehrmechanismus sichtbaren Ausdruck findet. Logos als homöopathische Medizin würde, per definitionem, Logos auflösen. Damit Sperma als ho­möopathische Medizin wirken könnte, müsste es zuerst "Medizin" werden, das es als Substanz (noch nicht) ist/wäre. Es müsste also nach homöopathischen Vorgehensweisen zubereitet werden, um eine "neue" Natur auf einer höheren Ebene anzunehmen und Einfluss auf die übergeordnete "Krank­heit"/Unordnung des Patienten ausüben zu können. Diese homöopathische Methode nennt sich Po­tenzierung. Die Substanz wird ausgedünnt, u.U. über die Grenze hinaus, an der "Wissenschaftler" noch ihre Moleküle festzustellen vermögen, währenddem das Produkt nach einer bestimmten Methode zusätzlich geschüttelt oder geschlagen wird. Bis jetzt haben weder Wissenschaftler noch Homöopathen eine beiderseits befriedigende Erklärung finden können. Die Praxis zeigt jedoch, dass die homöopathischen Me­thoden die Substanz in einen "höheren" energetischen Zustand überführen: in einen "heilenden" Zu­stand; der Vorgang erinnert an die Transubstantiation einer katholischen Messe. Aber was wäre der gnostische Nutzen einer solchen, da nach gnostischer Auffassung die Substanz (also das Sperma) den Logos schon im Vorneherein enthält? Und was wäre mit den menschlich-energetischen Aspekten, z.B. einer potenzierten miasmatischen Prädisposition wie Syphilis oder im Falle von HIV? Was wird durch einen potenzierten HI-Virus "ausgelöst"? Diese Frage wurde bislang nicht beantwortet. Ich bin Ho­möopathen begegnet, die Sperma anwenden würden (wie sie es schon mit anderen körpereigenen Stoffen wie Urin oder sogar Krankheitsprodukten tun). Sperma als homöopathische Medizin würde ihrer Ansicht nach jedoch keine Göttlichkeit erzeugen: Die Schauung der Homöopathie erklärt die Einbringung von Göttlichkeit nicht. Während Gnostiker und Mystiker sich aus ihrem Alltagsbewusstsein hinausbewegen und Magier die Materie zu kontrollieren versuchen, befördern Homöopathen lediglich ihre Arzneien durch Potenzieren aus dem Bereich der Materie.

Der Gebrauch homöopathischen Spermas hinge von der Ganzheit und Einzigartigkeit der Symptome ab, die Sperma (sei es nun potenziert oder vielleicht auch nicht) bei einem "gesunden" Individuum erzeugen würde. Diese "Effekte" könnten dann bei "ähnlichen" Sym­ptomen eines "kranken" Patienten angewandt werden.[92]

 

Es stellt sich auch die Frage nach dem religiösen Sinn oder Unsinn der Praktik einiger O.T.O.-Grup­pen, ihre Hostie aus Blut, Sperma und Vaginalsekreten (die sie für ihre Gnostischen Messen verwende­n) vorher mit 70° Celsius im Ofen zu backen, um einem etwelchen HI-Virus den Garaus zu machen. Welchen Effekt hat Hitze auf den gnostischen Logos? Im gnostischen Thomasevangelium steht zum Thema Hitze und Logos/Jesus: "Und Jesus sprach: Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe. Andere platzieren ihr Sperma in ein Mundvoll Brandy: Spiritus Sanctus? Was ist mit der Erlösung all der Frauen, die von den Männern zum Schlucken des Spermas gezwungen werden? Sollten diese Frauen dann nicht viel "erlöster" als ihre Unterdrücker sein? Können "solche" Frauen tatsächlich nicht erlöst werden, sondern müssten selber "Unterdrücker" werden?[93]

 

Wie wird es von einer thelemitischen Frau gesehen? Linda Falorio, die keinem organisierten Crowley-O.T.O. angehört, sondern dem sogenannten Ma’at-Kontinuum, das sich zu einem thelemitischen Aeon der nach Balance strebenden Ma’at hin entwickelt (z.B. auch in Kenneth Grants englischer O.T.O.-Gruppe), hat sich speziell für dieses Kapitel geäussert.[94]

"Eine komplexe Frage bezgl. des HI-Virus. Von meiner menschlichen Warte her gesehen, sehe ich keinen Vorteil eines solchen Eindringlings, weder für das Grosse Werk noch für das betroffene Indi­viduum. Ich denke, man sollte den Virus "bannen" wie jede Wesenheit, die von einem Besitz ergreift, so wie ich den Retrovirus verstehe, der die Zellen für seine eigenen Absichten übernimmt [...] oder man sollte den Virus im Dreieck gefangennehmen (also dem Kondom). Selbstverständlich kann man nun nicht mehr direkt von den psychosexuellen Flüssigkeiten profitieren, sondern muss sich ihrer auf den feinstofflicheren Ebenen bedienen. Ein mächtiger Magier sollte dazu ohne weiteres imstande sein, glaube ich, bräuchte dazu jedoch eine dafür geeignete Person.

Ähnliche Fragen fallen mir bezüglich körperbehinderter Personen ein, z.B. auch bei Vasektomie oder Frauen mit Hysterektomie oder die jenseits ihrer Menopause sind.[95] [...] In diesen Fällen braucht es vielleicht eine/n qualifizierte/n Priester/in, die/der nicht unbedingt die/der Lebenspartner/in ist, um das Elixier aus dem Körperlichen herauszudestillieren. Ist nicht eine mächtige Person in der Lage, körpereigene Endokrine zu erzeugen, obwohl die Drüsen entfernt sind?"

 

Offensichtlich ist der Bruch im Universum immer noch offen. Christentum und andere Religionen erwarten eine Apokalypse oder einen Platz der Erlösung jenseits dieser Welt - jenseits der offenen Schlucht zwischen Himmel und Erde, über die asketische und libertine Gnostiker eine Brücke zu bil­den versuchen. Deshalb wird von Spermagnostikern weiterhin zu hören sein.

 

Dieses Kapitel findet seine Fortsetzung in der Abhandlung über den "Korrekten Gnostizismus", da zuerst die bislang nur schemenhaft eingeführten Protagonisten und ihre Organisationen vorgestellt werden sollen.

 



ANMERKUNGEN

[1] Heraklit: "Die Natur der Dinge liegt in ihrem Bestreben sich zu verbergen" (Fragment 123) und "Latente Struktur beherrscht die offensichtliche Struktur" (Fragment 54)

[2] "Hinüber wall'ich und jede Pein wird einst ein Stachel der Wollust sein," Hymnen an die Nacht, 1800

[3] Als "linkshändiger Pfad" wird die Verwendung der Sexualität zur Bewusstseinserweiterung bezeichnet. Dies beinhaltet auch die Überwindung gesellschaftlich/kultureller Tabus. Es ist fraglich, ob sich der ungestüme Selbstverwirklichungsdrang linkshändiger Adepten im organisierten Okkultismus, wie dem O.T.O., ausdrücken kann. Zusammenfassend lassen sich folgende Elemente im linkshändigen Pfad ausmachen: Verwandlung menschlichen Bewusstseins durch Sex in ein göttliches; eine besondere Beachtung des weiblichen Aspektes (z.B. entströmt das zu manipulierende maya der Vagina Kalis); radikale Ablehnung der Traditionen, der Gesellschaft und der Kultur (hierhin lässt sich auch die Gnosis rücken); Auserwähltsein; die Betonung auf die Manipulation der irdischen Körperlichkeit im Hier-und-Jetzt durch Sex (hier der Brückenschlag zur Sexualmagie)

[4] Eine Auswahl: "Leonhard Fendt: "Gnostische Mysterien", ARW, München1922/1980; Peter Sloterdijk: "Weltre­volution der Seele", I, Artemis, München 1991; J.P. Asmusen/A. Böhlig: "Die Gnosis", III, Artemis, Zü­rich/München 1980; Robert Haardt: "Die Gnosis", Salzburg 1967; E.Hanechen/M. Kraus: "Die Gnosis", Ar­temis, Zürich/München 1969; Wilhelm Bousset: "Hauptprobleme der Gnosis", Vandenhöck + Ruprecht, Göt­tingen 1907; Kurt Rudolph: "Die Gnosis", Vandenhöck + Ruprecht, Göttingen 1980; Hans Jonas: "Gnosis und Spätantiker Geist", Vandenhöck + Ruprecht, Stuttgart 1934; Johann Maier: "Vom Kultus zur Gnosis", Otto Müller Verlag, Salzburg 1964; Elaine Pagels: "The Gnostic Gospels", Random House, New York 1979; Wolfang Schultz: "Dokumente der Gnosis", Matthes + Seitz, München 1986; Hans Leisegang: "Die Gnosis", Kröner, Stuttgart 1985; und viele mehr

[5] Auch R.L. Hubbard nannte seine Scientology "gnosticism", in: "False Purpose Rundown", 5. Juni 1984

[6] Peter Sloterdijk: "Weltrevolution der Seele" I, Artemis, München 1991, 19

[7] E.C.H. Peithmann (Mitglied unter Reuss): "Tibetanische und gnostische Magie", in "Zentralblatt für Okkultis­mus," Leipzig 1931/32, 566

[8] Quellen zur homöopathischen Forschung: Georgos Vithoulkas: "Die wissenschaftliche Homöopathie," Göttingen 1986; Marco Righetti: "Forschung in der Homöopathie," Burgdorf-Verlag, Burgdorf 1988; J.T. Kent: "Zur Theo­rie der Homöopathie, J.T. Kents Vorlesungen über Hahnemanns Organon", Leer 1954

[9] Beispiel in: Robert Haardt: "Die Gnosis", Salzburg 1967, 66

[10] Ernst T. Kurtzahn (Mitglied von Theodor Reuss' O.T.O.), in: "Die Gnostiker", Baumann-Verlag, Schmiedeberg 1925, 77-82

[11] "Nachdem nun die Gestalt entzweigeschnitten war, sehnte sich jedes nach seiner andern Hälfte, und so kamen sie zusammen, umfassten sich mit den Armen und schlangen sich in einander, und über dem Begehren zusammen zu wachsen, starben sie aus Hunger und sonstiger Fahrlässigkeit, weil sie nichts getrennt von einander tun wollten. [...] Da erbarmte sich Zeus, und gab ihnen ein anderes Mittel an die Hand, indem er ihnen die Schamteile nach vorne verlegte, denn vorher trugen sie auch diese aussen, und erzeugten nicht eines in dem andern sondern in die Erde wie die Zikaden [...] Von so langem her also ist die Liebe zu einander den Menschen angeboren, um die ursprüngliche Natur wiederherzustellen, und versucht aus zweien eins zu machen und die menschliche Natur zu heilen. Jeder von uns ist also ein Stück von einem Menschen, da wir ja zerschnitten, wie die Schollen, aus einem zwei geworden sind. Also sucht nun immer jedes sein anderes Stück," Platon: Das Gastmahl, 189d-191d

[12] Arnoldo Krumm-Heller (Mitglied von Reuss' O.T.O.): "Plantas Sagradas", Buenos Aires 1931, 72

[13] Arnoldo Krumm-Heller: "Iglesia Gnostica", Berlin 1931, 71

[14] Samael Aun Weor (Mitglied von Krumm-Hellers Gruppe): "Buddha's Necklace" o.O.u.D., 1-95. Der Profit der Frau ist also der geglückte Nicht-Orgasmus des Mannes? Weor löst sich von Krumm-Hellers F.R.A., um sein ei­genes Gnostic Movement zu gründen, wo Hatha-Yoga als Schwarze Magie abgelehnt wird, jedoch Krumm-Hellersche Chakra-Übungen gelehrt werden. Wie bei allen Sexualmagiern findet man Weors Tempel der Weis­heit im Phallus und im Uterus. Das (biblische) Chaos entspricht dem Sperma, alles im Universum ist sexuali­siert und zieht sich aus sexuellen Gründen an oder ab. Im Zentrum der Erde sitzt Satan, Sex an sich, wo Shivas schwarzer Phallus in die Vagina eindringt. Erlösung und Erleuchtung bringt allein Sexualmagie ohne Ejakula­tion, die Magie des Wassermannzeitalters. In den Sexualflüssigkeiten (Sperma und Vaginalsekret) findet sich ein sexuelles Hydrogen, SI-12 genannt, das im astralen Körper zu Gold wird. Und die Technik? Angelehnt an die Karezza-Methode von Thomas Lake Harris (1823-1906), legen sich Mann und Frau Brust an Brust, Solarplexus an Solarplexus, aneinander - äusserlich androgyn. Der Mann beginnt die Penetration dermassen langsam, dass das Hymen unverletzt und die Frau jungfräulich bleibt. Jahrelange Praxis treibt nun Kundalini die Wirbelsäule hinauf, während sich die beiden Partner gleichsam ihrer irdischen Persönlichkeit entäussern. Auch in Weors System ist Frauen die höchste Initiation und Entwicklung jedoch nicht möglich. Wie im Buddhismus und bei den meisten Gnostikern ist der Frau allein die Reinkarnation als Mann vorbehalten, um sich weiter entwickeln zu können. Mehr darüber in König: "Ein Leben für die Rose", München 1995

[15] Evangelium nach Thomas: "solange der Mann nicht Frau und die Frau Mann geworden, solange kannst Du nicht das Himmlische Königreich betreten." So waren also nicht alle Gnostiker Frauenhasser, obwohl das zeitli­che Milieu von damals extrem frauenfeindlich war. Frauen als Männer kommen in Crowleys III° Einweihungs­ritual vor, wo Frauen während des "Ordeals" als "Brother" angesprochen werden, William Breeze: "III° Master Magician", New York 1996, Seite 82. Im okkulten Denken ist auch der 'Wille', der in Thelema eine so grosse Rolle spielt, natürlich ein Ausdruck der 'männlichen' Kontrolle über das Universum

[16] Ernst T. Kurtzahn, in: "Die Gnostiker", Baumann-Verlag, Schmiedeberg 1925, 77-82

[17] Beispiel in: Kurt Rudolph: "Die Gnosis", Leipzig 1980 (2)

[18] Was ist jedoch mit Männern, die Ejakulat produzieren, das keine Spermien enthält; sind das nun Frauen mit Prostata?

[19] Nach Hanna Arendt "Gehört es doch zu dem eigentlich geschichtlichen Gehalt gerade des 19. Jahrhunderts, dass es eine Fülle von Ideologien hervorgebracht hat, die alle vorgeben, den grossen Schlüssel für die Enträt­selung der Menschheitsgeschichte in der Hand zu haben, und doch in Wirklichkeit alle miteinander nichts an­deres sind als verzweifelte Versuche, der politischen Verantwortung für Handlungen und Ereignisse zu ent­rinnen. In diesem Sinne sind die Ideologen des 19. Jahrhunderts die Sophisten der modernen Welt", "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft," New York 1951, Mün­chen 1986, 40

[20] Bradford J.M. Verter: "Dark Star Rising: The Emerging of Modern Occultism 1800-1950," Dissertation Prince­ton University 1997, 72

[21] Forlong: "Rivers of Life," London 1883, zitiert nach Verter, Dark Star Rising, 75

[22] Crowley: "A man who is strong enough to use women as slaves and plaything is all right", "Woman is a crea­ture of habit, that is, of solified impulses. She has no individuality", "Monogamy is only a mistake because it leaves the excess women unsatisfied", "A woman is only tolerable in one's life if she is trained to help the man in his work without the slightest reference to any other interests soever". "Women don't count, they only exist insofar as they seduce or otherwise destroy men," in: "Confessions", herausgegeben von John Symonds und Kenneth Grant

[23] Ein eher gescheiterter Versuch: Ellic Howe/Helmut Möller: "Merlin Peregrinus", Königshausen + Neumann, Würzburg 1986; Details in P.R. König: "Der Kleine Theodor Reuss Reader", ARW, München 1993; P.R. König: P.R. König: "Der Grosse Theodor Reuss Reader", ARW, München 1997

[24] John Symonds (IX° von Crowleys O.T.O.): "The Great Beast 666", London 1997. Diese erweiterte Auflage von Symonds' Lebenswerk dürfte die endgültige Fassung sein

[25] Reuss und Krumm-Heller fanden, dass Patanjalis Weg für westliche Ansprüche nicht genügte, sondern allein Reuss' Weg der Weissen Magie zu befolgen sei, "Rosa-Cruz" VI;9, Berlin 27.12.1932, 66

[26] Heinz Hunger: "Die Heilige Hochzeit", Wiesbaden 1984

[27] P.B. Randolph: "Magia Sexualis", Paris 1931/69; Elias McGregor (ed. Robert North, 1988): "Magia Sexualis by P.B. Randolph"; Gordon J. Melton: "P.B. Randolph - America's Pioneer Occultist", Lyon 1992; Joscelyn Godwin: Artikelserie in "Theosophical History" volume 2-3, Fullerton 1988-1991; David Board in: "Theosophical Hi­story" Volume3,3, Fullerton 1990; und ein Brief von Joscelyn Godwin, datiert 13. Oktober 1994, in: P.R. König: "Ein Leben für die Rose", ARW, München 1995

[28] U.a. Reuss' Magazin "Oriflamme", Bad Schmiedeberg 1902-1914; Manuskripte; Josef Dvorak, selbsternannter Satanologe, in: "Flensburger Hefte" 63, Flensburg, Dezember 1998

[29] Karl R.H. Frick (Freimaurer): .i.;"Licht und Finsternis", II, Graz 1973-86, 429. Reuben Swinburne .i.Clymer (Rosen­kreuzer);, Book of Rosicruciae II, 70 und "Rosicrucian Fraternity in America" I, Quaker­town 1935, 411. Josce­lyn Godwin in: "Theosophical History" (wie oben)

[30] Ähnlich auch in: Oriflamme 23, Zürich Januar 1963, 266

[31] "for tactical purposes", Reuss in einem undatierten Schreiben an Crowley, zitiert nach "The Magical Link", 1993, 3

[32] Circa 1979, "I think [James] Wasserman found some sort of document, a marginal note by Crowley in a copy of the Equinox. I do not remember with any degree of certainty. I do know that [William] Heidrick informed me of the find and conveyed the information in a backward order," K*** D***, Ex-IX° des 'Caliphats', Email 8.12.1996. 1982 entbrennt im 'Caliphat'-Blatt "The Magickal Link" eine lange Diskussion über die Zuord­nung der Chakren, offensichtlich kann niemand Cowleys Notizen verstehen

[33] J.P. Asmussen/A. Böhlig: "Die Gnosis" 3, Artemis, Zürich/München 1980

[34] Theodor Reuss in seiner Übersetzung von Crowleys Gnostischer Messe: "Die Gnostische Messe, Aus dem Origi­nal-Text des Baphomet, übertragen in die deutsche Sprache von Merlin Peregrinus", Bad Schmiedeberg 1917; Faksimile in: P.R. König: "Der Grosse Theodor Reuss Reader", ARW, München 1997. Die Heiligkeit der Se­xualorgane wird in Crowleys VII° offenbart

[35] Reuss: "Mysterica Mystica Maxima", in: "Jubiläums-Ausgabe der Oriflamme 1912", Baumann, Berlin und Lon­don 1912, 23. Reuss spricht in diesem Zusammenhang nicht vom Gnostiker

[36] Reuss: "Parsifal und das Enthüllte Grals-Geheimnis", Bad Schmiedeberg 1920; das mit handschriftlichen Noti­zen versehene Manuskript von 1914 transkribiert in: P.R. König: "Der Kleine Theodor Reuss Reader", ARW, München 1993

[37] Le Chevalier Le Clément de St-Marcq: "L'Eucharistie", Bilsen 1906; Faksimile in: P.R. König: "Der Grosse Theo­dor Reuss Reader", ARW, München 1997; Reuss empfand die Publikation dieses Pamphlets als eine Enthüllung des geheimsten Geheimnisses des O.T.O.: dass keine Frauen zur Konsumation des Logos nötig seien. Mehr dazu im Kapitel zum "Korrekten Gnostizismus"

[38] Wiener Freimaurerzeitung 9/10, Wien 1926, 28; Faksimile in: P.R. König: "Der Grosse Theodor Reuss Reader", ARW, München 1997. Ebenso in "L'Acacia" Januar-Juni 1907, 297

[39] Reuss: "Aufbauprogramm und Leitsätze der Gnostischen Neo-Christen O.T.O.", Bad Schmiedeberg 1920; Tran­skript in: P.R. König: "Der Kleine Theodor Reuss Reader", ARW, München 1993

[40] Crowley an W.B. Crow, 11.11.44

[41] "business association", so Crowley in seinem Tagebuch der 40er Jahre. Sein englischer Schatzmeister George M. Cowie an Crowley: "I have done my best to keep out of letters anything that would injure you & confirm the police anew that it's only money that is the object of the Lodge, & to head you off from shouting for it," 6. Ja­nuar 1918

[42] Der neue amerikanische O.T.O. von 1977, das ‘Caliphat’, "does not practice medicine", in: "Thelema Lodge Newsletter", Berkely, September 1993

[43] Crowley: "the industrial use of Semen will revolutionize human society", Tagebucheintrag vom 8. August 1923. So nennt er im Manuskript "Amrita" am 23. Januar 1933 folgende Anwendungsgebiete: "Asthma, Bronchitis, Neurasthenia, Obesity, Stricture, Some cardiac distress, Greying hair, Loss of interest in sex." Siehe auch Naylor/König: "O.T.O. Rituals and Sexmagick", Thames 1999, 412

[44] Aleister Crowley: "Amrita", King Beach 1990; Gerald Yorke: "'Sex' und der O.T.O.", in: "AHA" 6, Bergen an der Dumme, 1991

[45] "Pleasure as such has never attracted me. It must be spiced by moral satisfaction", Aleister Crowley: "Confessi­ons"

[46] "Thanks to Aiwaz, our Lord God the Devil", "I sing for God, our Lord, Aiwaz", Tagebucheinträge vom 22. und 28. Juli 1920

[47] Die meisten Rituale, die seine Anhänger noch heute zelebrieren, drehen sich 'irgendwie' um Crowley selber. Dieser hat für sich "The Mark of the Beast" erfunden, ein Siegel aus einem verkürzten Penis, das er in Inmans Buch über die "Ancient Faiths Embodied in Ancient Names" gefunden hat

[48] Gerald Yorke, circa 1929, zitiert nach Bradford J.M. Verter: "Dark Star Rising", Princetown 1997, 184

[49] Hier eine Anleitung aus dem Umkreis von Kenneth Grants Typhonian O.T.O.: "Fragmentary Notes on VIII° Elixirs [...] I combine my elixir with spit & then annoint the absorbtive tissues of the anus & perianum, as well as the external analogs to the other chakras (solar plexus, heart, throat, third eye, & crown). Depending on my mood, I may annoint the internal anus, & then transfer a bit of the tri-une elixir (semen, anal elixirs, and spit) back to my mouth. I may also annoint my eyelids &/or my entire middle pillar with the combined elixir [...]" etc. William Siebert, bis 1980 Mitherausgeber von Grants Ordensmagazin "Mezla", bei dem auch Mitglider des 'Caliphats' aktiv waren; Artikel geplant für "Mezla", Vol. III;2, 1986. Zu Siebert mehr im Kapitel über Grants O.T.O.

[50] Francis King: "The Secret Rituals of the O.T.O.", London 1973. O.T.O.Mitglieder können dies auch komisch finden: "the fuck and make a wish idea is ludicrous," Ruthanne d'Antuono, email vom 4. Oktober 2002

[51] Für Max Schneider am 14.3.42 geschrieben. Publiziert in: "Mezla" I.111,1, Ithaca/NY 1985. "We published Mezla as a "Heretical Organ of the O.T.O." with the idea of transcending partisan politics and getting down to the basic work of "doing" magick instead of wasting time fighting about who was the "real" O.T.O. One of the tra­ditions of Mezla was to publish a previously unavailable writing by Crowley. I posessed a copy of the infa­mous "Emblems and Modes of Use" which we published in that issue. For this I was expelled from the order and pronounced "Anathema" from Thelema by Hymenaeus Beta [Breeze] himself over the phone. (how me­dieval Roman Catholic or even Marcello Motta like). I have still never received the courtesy of formal written notice. He also seemed particularly upset that we had no money to turn over to him on demand as we had not bothered to charge anyone anything for the issue," Email von Cliff Pollick, 4.3.97. "Emblems and Mode of Use" auch publiziert von William Breeze auf BaphoNet-by-the-Sea: 718/499-9277, Juni 1992 (angeblich soll aber je­mand Breezes Identität bei der Publikation gefälscht haben); Gregory von Seewald, Old Greenwich 1992; über­setzt und kommentiert in: P.R. König: "Der OTOA-Reader", ARW, München 1994. Alle Rituale von Reuss und Crowley in Naylor/König “O.T.O.-Rituals and Sexmagick“, Thames Herbst 1999

[52] Sexualmagier benützen gerne alchemystische Symbole: der Penis wird zum athanor; Sperma Blut des Roten Löwen oder Die Schlange; die Vagina wird zur Retorte oder Kukurbit. Crowleys IX°Text 'Emblems and Mode of Use' ist ein typisches Beispiel eines solchen Sprachgebrauchs

[53] "How does one make the Elixir of Life?", "What are the uses of the Elixir of Life?", Testfragen für potentielle IX°-Anwärter, vorgeschlagen von Phyllis Seckler, der Ex-Frau des verstorbenen Grady McMurtry, Gründer des amerikanischen O.T.O. Angeblich ist dieser Fragebogen jedoch nicht in Gebrauch; Faksimile in König: "Noch Mehr Materialien zum OTO", München 2000, 417ff.

[54] Diskussion im Kapitel “Female Trouble“

[55] Crowley: "I am inclined to believe that the XIth degree is better than the IXth degree", Tagebuch vom 26. Au­gust 1916

[56] Crowley stellte sich beim Masturbieren auch Männer als "Scarlet Whores" vor, Tagebuch vom 16. November 1914. "Scarlet Woman [...] is any Woman that receives and transmits my Solar Word and Being", in Crowley: "Magical and Philosophical Commentaries", herausgegeben von John Symonds und Kenneth Grant, Montréal 1974, 307. Also einmal mehr wird die passive Rolle der Frau betont

[57] "I think the language of the initiations is sexist and archaic and to a feminist such as myself, quite frankly, insulting. I feel that there's this sort of old boys' club running thing which is quite literally an old BOYS' club which again, is to me, frankly insulting," Meinung des männlichen Mitglieds Leon in Claudia Kowalchyk: "A study of two 'deviant' religious groups: The Assemblies of God and the Ordo Templi Orientis," NY 1994, 162. Nathaniel bemerkt zu den Initationen: "Certainly men and women dress in different rooms [...] Here is a group whose teacher is very concerned about sex in a sacramental natrue and all that stuff, and yet when it comes to something simple, like changing our clothes, people act like a bunch of Baptists," p164. Siehe auch Fussnote 42

[58] Crowley: "Liber Agape", in: P.R. König: "How to make your own McOTO", ARW, München 1996; und Crowley: "De Arte Magica"

[59] Über Crowleys Bild der Frau auch in Frédéric Monneyron: "Aleister Crowley et l'Androgyne: Imaginaire Deca­dent et Magia Sexualis," In 'Cahier Victoriens et Edouardiens' 33, 1991

[60] Das trifft eigentlich auch auf Männer zu, so sein Tagebucheintrag vom 25.5.41: "I do not give one meagre mole­cule of fart-fog for any person or thing"

[61] Bei der Konsumation sind "eingeweihte" Techniken zu beachten. Die Aufnahme geschieht durch die Schleimhaut des Gaumens, da die Magendarmsäuren die die feinstofflichen Essenzen enthaltenden Proteine zersetzen würden, bevor die Geist-Körper-Symbiose stattfinden könnte. Im Mund muss also auch mit einer zerstörenden Wirkung des Speichels gerechnet werden, derzufolge die Zeitdauer anzu­passen ist, in der die Hostie unter dem Gaumen behalten wird

[62] Dies ähnelt asiatischen Praktiken, bei denen das Sperma als Träger feinstofflicher Energien gedacht ist

[63] Thelema benutzt neue Euphemismen für längst existierende Konzepte. Das gnostische Pleroma wird nun "Nuit" genannt, wohin das Sperma alias "Hadit" heimkehrt. Trotzdem behauptet der jetzige 'Caliph', William Breeze": "In Thelemic cosmogony there is no pleroma as in Gnosticism. This place, Kether in the Tree of Life, is occu­pied by Ra Hoor Khuit [...], and our own silent selves, our Jechidah in Qabalistic terms, our Guardian Angels," "The Magical Link", new series 1, Fall (December!), Stockholm 1997, 9

[64] Angeblich von Crowley 1913 verfasst. Crowleys Messe ist jedoch lediglich eine mit thelemitischen Worthülsen aufgepumpte mittelalterliche Tridentine Rite/Roman Latin Mass, deren Text in König/Ecclesia Gnostica Ca­tholica zu finden ist, München 98, 17

[65] Nichts Neues, denn schon beschrieben z.B. in: Carl Schmidt: "Griechisch-christliche Schriftsteller der ersten 3 Jahrhunderte", Band 1 (dieses Buch enthält die erste deutschsprachige Übersetzung der "Pistis Sophia"), Leip­zig 1905; schon erwähnt bei Epiphanius, in: "Panarion", in: Robert Haardt: "Die Gnosis", Salzburg 1967; E.Hanechen/M. Krause: "Die Gnosis" 1, Artemis, Zürich/München 1969. Crowley braute seine eigene Rezeptur: "In my Mass the Host is of excrement", Tagebucheintrag vom 5. Juli 1920

[66] "Magical Link" I;5, New York 1987; "Thelema Lodge Newsletter", Berkeley, Januar 1991. Supreme Grand Coun­cil meeting, April 3, 1993: "Cakes of Light should be prepared only according to the formula previously pub­lished; but ashes from burned cakes of light prepared according to AL III;23 would be acceptable as an addi­tional ingredient"

[67] Breeze, "III° Master Magician", New York 1996, Seite 72

[68] Minutes of the Supreme Grand Council, 3. April 1993

[69] Zu Aiwass: "I am to Thee the harlot, crowned with poison and gold, my garment many-coloured, soiled with shame and smeared with blood, who for no price but of wantonness have prostituted myself to all that lusted after me [...] I have made my flesh rotten, my blood venomous, my brain hag-ridden, I have infected the round world with corruption."

[70] "Where is Aiwass now?" Crowley looked at me and gave his head a minute shake and then spread his arms with upturned palms as if to say, "Where?", or even "God knows!". Then he spoke, "I think the fault is mine", zitiert nach dem Grant-O.T.O.-Magazin "Sothis" II;II, London 1977, 2, Crowley im Gespräch mit Lawrence Amos Mi­les/"Shir Gurudeva Dadaji Mahendranath 999", Artikel von Dadaji: "The Londinium Temple Strain". Dadaji gründet den AMOOKOS - Arcane Magic Order of the Knights of Shambhala. Er ist am 30.8.91 gestorben

[71] Jack Parsons führte in seiner von Crowleys Thelema abweichenden Gnosis die Sophia als Gattin Jesu ein

[72] Bei Crowley wird das kabbalistisch interpretiert: "Als Gott strahlt die Energie ganz und gar von einem selbst aus (Kether), d.h. man ist mit Hadit vollkommen identifiziert - als Priester geht die Energie ganz durch einen hindurch (Chokmah) - als Kommunikant trifft die Energie ganz uns selbst (Geburah)." Zitiert nach Metzgers "Äquinox" III,51

[73] Vorwort in Reuss/Crowleys Gnostischer Messe, Schmiedeberg 1918, 8. Wiederabgedruckt in Metzgers EOL-Mitteilungsblatt 40, Stein 1957, 2 - siehe "Grosser Theodor Reuss Reader", 226ff.

[74] "Those rituals seem a parody of Christianity and Catholicism. Of course, the Benediction of Animals is to be expected in a country where pet psychiatrists can make more than an engineer. What if the animal really did have some religious ideas? Would non-Thelemic (as if there could be an orthodox Thelema) animals then be: a Pagan Pussy, a Heretic Hamster, Demonic Dog? Do these people have so much time on their hands that they must now impose their religious views on their pets?!? The confirmation and baptism ceremonies could too easily attract worshippers. These are hardly going to be productive members of a Thelemic order. Such people will spend much time proclaiming how they had some level of spiritual awareness bestowed upon them through such a ceremony. Perhaps it is useful to have such rituals to keep the masses happy, but I do not think that they contribute to the work at hand (Great Work, "Knowledge & Conversation of the Holy Guardian An­gel", whatever)." Stephen Luzny (ehemals Mitglied im 'Caliphat'), e-mail vom 2. Juli 1998

[75] So im vorliegenden Handbuch für den V°, 8.4.1989, Newport Beach, CA, unterschrieben von Lon Milo und Constance DuQuette

[76] "III-1 O.T.O. Man of Earth Rituals Rev. 4.2B, Fall IIIxxx", von Fr.H.K. Kapellmeister, O.T.O., New York 1990, 1. Für den I°: Gustav Holst: "Neptune" from "The Planets", Ralph Vaughan Williams: "Fantasia on a Theme by Thomas Tallis"; W.A. Mozart: "Great Mass in c minor". Dazu Leos Janacek, Bela Bartók, Paul Hindemith, Ri­chard Strauss, Gustav Mahler und Samuel Barber für die weiteren Grade

[77] Ein Wandernder Bischof zeichnet sich nicht durch charakterliche Eigenschaften, Bildung oder theologische Position aus. Er ist weder von einer kanonisch errichteten Ortskirche gewählt, weder als Weihebewerber vor­geschlagen, noch mit einem historischen Bischofsstuhl verbunden, oder von einem rechtmässigen Bischof unter Beachtung der kanonischen Bestimmungen konsekriert worden. Bis zum II. Vatikanischen Konzil war für die Gül­tigkeit der Sakramente allein die richtige Intention und die wesentliche Einhaltung des äusseren Ritus aus­schlaggebend. Seit 1962-65 ist der Bischof jedoch nicht mehr Nachfolger eines einzelnen Apostels, sondern das Bischofskollegium in seiner Gesamtheit ist Nachfolger des Apostelkollegiums. Somit sind die Gnostischen Bischöfe ausgeschlossen

[78] Ein oberflächlicher Streifzug durch Crowleys Sammlung von Schlüsselwörtern scheint zu ergeben, dass der Thelemit keiner Erlösung bedarf. Deus Est Homo quem creavit Elohim. Dies wirkt jedoch wie eine gnostische Ausweitung der Psyche: der Anbeter wird zum Angebeteten

[79] Reuss und auch der jetzige 'Caliph', William Breeze sind der Ansicht, dass wahre O.T.O. Mitgliedschaft erst mit dem VIII° beginne, zugleich mit der Sexualmagie. Die Grade VIII°- XI° nennen sich "das Sanktuarium der Gno­sis". Ordensstruktur in: P.R. König: "Materialien zum O.T.O.", ARW, München 1994, 22-23

[80] Es gibt O.T.O.-Gruppen ohne maurerische Struktur, z.B. der Englische O.T.O. des Kenneth Grant

[81] Zum Beispiel nennt sich William Breeze, der jetzige 'Caliph', selbst "His Sacred Majesty", andere nennen ihn "Lord Caliph". Er wird von seinen eigenen Leuten zum Ritter geadelt, so während seiner Wahl zum 'Caliph' im September 1985, Transkript online auf www.cyberlink.ch/~koenig/minutes/minutes.htm

[82] "It means shifting the Centre of Gravity of the Human Race!", Crowleys Tagebuch vom 6. August 1923

[83] Das gnostische Pleroma heisst nun "Nuit" wohin das Sperma alias "Hadit" zurückkehrt

[84] Polarität von Chokmah (die erleuchtende Intelligenz) und Binah (die heilige Intelligenz)

[85] "The Order is in part putting out a call to the poor, the tired, the hungry; but it also promises to raise them up from this wretched state," Claudia Kowalchyk: "A study of two 'deviant' religious groups: The Assemblies of God and the Ordo Templi Orientis," NY 1994, 148

[86] "There's something honorable in suffering, you know. There's something- one of the reasons I hate Christia­nity so violently is I don't WANT anybody to die for my sins," Kowalchyk, 140

[87] Ausführlich mitgeteilt vom X° für die USA des 'Caliphats', David Scriven/Sabazius im November 1996 via e-mail. Die ganze Korrespondenz mit Anmerkungen auf www.cyberlink.ch/~koenig/megafile.htm

[88] Crowley: "I need a rotten stage of things to work on," Tagebuch 1. Juni 1920

[89] David Scriven, "Agape" IV;1, California 1 May 2002, Seiten 2 und 3

[90] Das ‘Caliphate’ kann als bürokratische Firma mit Copyrightsinteressen ohne jegliche Spiritualität gesehen wer­den, wie vom Ex-Stellvertreter des 'Caliph' Breeze, James Eshelman, mitgeteilt wird

[91] Siehe das Kapitel "Female Trouble"

[92] Dazu müsste man wissen, was Göttlichkeit ist, oder wie 'sie aussieht': ob der verrottete Zustand evtl. psychisch gefühlt und möglicherweise die per Spermaglobuli induzierte Beruhigung und Aufhebung des psychischen Leidens als Göttlichkeit erlebt wird. Dies wird in Crowleys A...A... manchmal als Überquerung des Abyss be­zeichnet

[93] Ich spreche hier generell von Unterdrückung und nicht spezifisch vom O.T.O.

[94] Mehrere Emails im September 1996

[95] Der schon erwähnte IX°-Fragebogen von Phyllis Seckler weist besonders auf die dringend benötigte gute "phy­sical condition" zur Anwendung der Sexualmagie hin, was die Frage erhebt, ob körperlich Behinderte Mitglied im 'Caliphat' werden können. Dies wird zumindest für die unteren Grade bejaht. Theodor Reuss‘ Einladung von 1917 zu einer “Alliance Internationale des Dames de la Rose+Croix“ unter dem Briefkopf “Ordo Templi Orientis – Bund für Internationale Versöhnung“ richtet sich an den “physisch und psychisch möglichst vollkommenen Menschen“ (Faksimile in König/Der Grosse Theodor Reuss Reader, 175). David Scriven, USA-X° des 'Caliphats': "the imperfections of each individual can be viewed as magical expressions of individuality rather than as de­viations from an abstract ideal," Email vom 3.11.96. Hier ein anonym bleibender Bericht eines Mitglieds: "Here is a tidbit that both you and Peter may find interesting. I was in the process of applying for my III° initiation in COTO when this accident occured. Everything was looking good. All my application paperwork was complete. I had arranged for a body to perform the initiation, paid my fees (please giggle here, it will make me feel better). When I informed the local 'big man' - I am fortunate(?) to have one of the 'Electoral College' members as a personal friend and we are members of the same body (Me, him, his wife, and 2 other single males form the body), that I was going to have to delay the initiation (which had been tentatively scheduled for October), he informed me that my physical condition might be grounds to deny me the initiation. Even after the rehab and all. "On page 157 of 'The Equinox volume III number 10', edited by Hymenaeus Beta X° - William Breeze, copyright 1986, 1990 O.T.O, in Liber II - Manifesto of the O.T.O it states '9. Every man and woman that is of full age, free, and of good report, has an indefeasible right to the III°.' When I brought this to his attention he responded that the scope of the words 'good report' included physical condition. This is not stated in any published document (and some that aren't 'published' but issued privately to members). I cannot even find wording that can be construed to indicate such. 'Good report' is normally defined as being current with dues and not having been disciplined by your local body (you aren't in trouble, or a trouble-maker, and generally liked by members). I am current with my dues, I am not now nor have I ever been disciplined by my bodymaster, I am very well liked by most of the members in the Alabama-Georgia area, and have even impressed several members of COTO of far higher degree (2 VII's and an VIIIth.). I teach yoga classes free to members, and have been heavily involved in the grunge work of setting up for events and initiations and have a history of helping other members in any way I can. In short, there is no reason why I should be denied my III°. I am not disgruntled by this in itself, I had been having doubts about going forward to III° for some time. It just bothers me that this action is in direct violation of the order's own published rules (the constitution makes no mention of physical abilities in connection with qualification for initiation)." Email December 2001



© 2001/2005 P.R. König



This is an outline from the German Der O.T.O. Phänomen Remix, München 2001 -- and the English "O.T.O. Rituals and Sexmagick" (1999)
tradução portuguesa: Os Espermo-Gnósticos e a Ordo Templi Orientis
versione italiana: Origine dei gruppi O.T.O. e la Magia sessuale
ceská verze: Asketictí a Libertinstí Gnostikové
english version: O.T.O. and the Spermo-Gnostics
traduccion castellano: Ordo Templi Orientis: Espermo-Gnósticos
Traduse in romana: Sperma-Gnoza

 

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