"Konzept O.T.O. Phänomen"
Meine beiden Bücher Ein Leben für
die Rose" und "Abramelin
& Co." sind die _einzigen, in denen ich Analysen vornehme und nicht
mehr rein dokumentarisch die Historie des O.T.O.-Phänomens ablichte.
Auf diese beiden Bücher trifft der Oberbegriff "O.T.O.-Phänomen" eher
zu, als der irreführende Begriff "O.T.O.-Historie", den ich ja
absichtlich _nicht gewählt habe. Der Begriff "Phänomen" scheint mir
mehr miteinbeziehen zu können, als die "wissenschaftliche" Reduzierung
auf Daten und Fakten (was ich in meinem Hauptwerk "Das
O.T.O.-Phänomen") augenscheinlich vorgenommen habe. Die "Historie"
wird da zum "Phänomen", wo der Grenzbereich des Erfassbaren in
Mythologisierung und Gegenwartsereignisse hineinreicht. Mein rituelles
Zitieren (das "die Leute/Organisationen selber sprechen lassen") wird
mit meinen Werken ab dem "Abramelin"-Buch 1:1 konsequent
weitergeführt: wo bislang diese Fremdstimmen noch durch mich (den
Autor/Koordinator) gesprochen haben, wird von nun an meine eigene
Stimme völlig schweigen! Indem ich somit als so-scheinender
"Besessener" publiziere, gewinne ich "absolute Distanz".
Worauf ich auch noch hinweisen möchte, ist die Tatsache, dass ich
mithilfe meiner Kapitel-Titel (von Musikstücken) meinen Büchern eine
Art von Meta-Struktur gebe, die ich nicht explizit in einem Vorwort
erkläre. In der Rolle als Ethno-Psychologe wende ich das Konzept des
"Strukturalismus" von Claude Levi-Strauss an. Dessen Titel, wie "Das
Rohe und das Gekochte" haben mich zu der unausgesprochenen Möglichkeit
inspiriert, dass Buchpassagen eine Art von Liedern anstimmen, die zu
einer unhörbaren Melodie aufspielen. Am meisten verwende ich Zitate
von David Bowie,
der ebenfalls sehr dem Okkultismus zugetan ist und dessen
"künstlerische" Biographie genau dieselbe fiebrige Leere und
Orientierungslosigkeit ausdrückt, wie sie den meisten Okkultisten als
Motivation ihres Lebens dient. Alles ist Pose!
Diesem komplexen und komplizierten und nur für sehr aufmerksame und
"gebildete" Leser spürbaren Versuch, meinen Büchern (dem Thema
entsprechend) Weite und Tiefe zu geben, halte ich zwischen den Zeilen
und auch mit Kapitel-Titeln den Vergleich des O.T.O.-Phänomens mit/zu
"soap operas" entgegen. [Dies wurde übrigens sehr gut von W.Frietsch
in seiner O.T.O.-Rezension in: Manfred Ach: "Under Cover", München
1995 erfasst.] Meine Vorliebe für "trash" zeigt sich in meinen
Lieblingsfilmen, die von John Waters, Pier Paolo Pasolini oder Rainer
Werner Fassbinder sind. Von hier nähren sich meine Hieroglyphen.
Vielleicht ist das alles nur für die wenigsten Leser spürbar,
zumindest für mich selber kriegen so die "nackten" Zahlen, Daten und
Faken "Leben". Und schliesslich haben meine Recherchen ja 1985 aus
diesem Grunde bgonnen: um _mir _selber das Phänomen er- und begreifbar
zu machen. Hier spiegelt sich auch meine Arbeitsweise wieder, die
derjenigen von Frank Zappa ähnelt: genau recherchierte und "erfasste"
Versatzstücke werden spontan zu einem "künstlerischen" Ganzen
zusammengefasst [siehe dazu die Rezension von H.T. Hakl in "Aries" 29,
1997, Hrsg. Antoine Faivre, 23, avenue de Bretteville, F 92200
Neuilly-Sur-Seine.]. Erst mein Gesamtwerk deutet auf das
"O.T.O.-Phänomen" hin! In diesem Sinne ist meine Arbeit nicht
wissenschaftlich, sondern intuitiv-künstlerisch. Auf diese Weise
entlarve ich den Okkultismus ebenso wie die übliche akademische
Haltung als Pose (siehe oben).
In meinem "Abramelin"-Buch wird man die Frage finden, was denn
Okkultismus zu leisten vermag. In diesem Zusammenhang stellt sich die
Frage, was _ich denn hierzu beitrage. Nun, wenn überhaupt, dann kann
man mich als sog. "Human User Interface" zwischen "historischem"
Artefakt und dem heutigen "Benutzer" sehen; als Interface, das Anliegen
und Kraft und anderem in soziale Praktiken des Alltags (mit der Sprache
von Anweisungen), aber auch Urteile und Werte (die Wahl der Zitate in
Wechselwirkung mit der Projizierung des Betroffenen - verkleidet in
sog. wissenschaftlicher Pose) in reflexive innerliche Bewegungen der
Betroffenen und Interessierten hineinbringt. Somit halte ich die
Bereiche Gebrauch, Erscheinung, Umwelt und Lebensform zusammen. Da mein
"Abramelin & Co." sich mit Visionen auseinandersetzt, habe ich
versucht, okkulte Erscheinungen als Ausdrucksformen von "Design" (OHNE
dieses Wort je zu verwenden) zu analysieren. Ich glaube, mit meinen
Ansichten in diesen Büchern der Analyse dieser Art von Okkultismus
eine neue Interpretationsmöglichkeit gegeben zu haben. Auf einer
bestimmten Ebene ist die Sucht nach Visionen (ausgelöst durch okkulte
Techniken, wie Yoga, Sexualmagie, Drogen, Meditationen etc.) für mich
gleichbedeutend wie die Sucht nach "soap operas": das sich Ausliefern
an libidinös vorbeifliessende Bilder, die auseinanderfallendes Ich
auflösen und auf religiöse Artefakte koagulieren sollen und wollen -
und dabei aber keine Kohärenz, sondern nur Selbstauflösung und
Identitätsverlust erzeugen: im besten Fall Identifikation mit einem
charismatischen Star (Crowley, Oscar R. Schlag oder David Bowie, z.B.).
Die Bewusstseinserweiterung und/oder -veränderung, die ein Crowley
versprechen könnte, wird von der Spiessigkeit/resp. Engstirnigkeit von
Mitgliedern des organisierten Okkultismus (z.B. O.T.O.) zunichte
gemacht. Nur sehr wenige haben ein positives Ziel erreicht: z.B.
Michael Staley, Linda Falorio. Auch die endlose Suche eines Claas
Hoffmann (alle Personen in: "Abramelin & Co."), die aber gnostische
Selbstreflexion auslöst, ist nicht so bedrängend wie diejenige der
meisten O.T.O.-Mitglieder (siehe dazu meine Analysen in: "Ein Leben
für die Rose", ab Seite 100).
© P.R. König
Erstpublikation in "Gnostika" 1, 1996, A.A.G.W., Lothar von Kübelstrasse 1, D 76547 Sinzheim
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