Ehrlich Währt Am Längsten
English Version: Honesty Is The Best Policy
Im Oktober 2005 schickte ich den Betreibern der australischen Website namens gaiaguys.net eine Adressenliste des australischen Zweiges des O.T.O.. Warum?
Vorgeschichte
Die beiden Betreiber dieser Website waren der Meinung, es gäbe pädophile Kreise, die sich aus Freimaurern und Satanisten zusammensetzten. Sie meinten, die okkulten Kinderschänder seien auf allen maßgeblichen Ebenen von Politik, Justiz und Polizei anzutreffen, so dass ihr Einfluss jede Strafverfolgung verhindere. Dieser Verschwörungsmythos grassierte vor allem in den 80er Jahren in den USA und hat sich mit einiger zeitlicher Verzögerung in andere Länder dieser Erde ausgebreitet. Kurz gesagt: Man glaubt an ein kohärentes Kontinuum zusammengesetzt aus verschiedenen Versatzstücken von Fakten und Fantasie: Verhalten von Einzelpersonen, nicht nennbare Arten von Komplotte und namentlich genannte Organisationen. Einiges davon scheint beweisbar: Die Existenz der aufgezählten Organisationen, der Umstand, dass Jugendliche Friedhofsschändung und Vandalismus verüben, kriminelle Aktivitäten Einzelner oder Pädophilie. Daraus suggeriert man eine umfassende Verschwörung, in der alles irgendwie zusammenhängt. Eine Fülle von nicht zueinander gehörenden Namen und Organisationen wird hinzugefügt und diese Mischung aus Fakten, Theorien, Meinungen, Fantasien und Verschwörungsangst wird zu einer Neuinformation verwurstet. Neureligionen und Orden werden so auf einen Haufen geworfen und mit dem Labeln Satanismus und Pädophilie gebrandmarkt.
Diese Art Schuldzuweisung durch Assoziation ist nicht minder abstoßend als Rassismus, Unterdrückung von Minderheiten und Antisemitismus. Wissenschaftlich gesehen sind die meisten dieser Veröffentlichungen irrelevant. Im Zusammenhang mit der Medienberichterstattung werden sie jedoch bedenklich, wenn nicht sogar gefährlich, weil dadurch aktiv die Manipulation von Informationen betrieben wird.
Um auf die Betreiber von gaiaguys.net zurückzukommen: Sie behaupteten öffentlich, der O.T.O. sei Teil eines pädophilen Netzwerks. Ausserdem erregten sich die Beiden an Äusserungen, die sie im Gesamtwerk der Literatur Aleister Crowleys und des O.T.O. fanden und als menschenfeindlich und sexuell problematisch interpretierten. In der Folge publizierten sie ab 2004 auf ihrer Website eine Unmenge Daten- und Phantasiepartikel und steigerten sich dabei immer mehr in den Glauben hinein, Richter, Anwälte, Polizisten, Medienschaffende und Politiker seien am Komplott beteiligt. Diese Verschwörung sei der Grund dafür, dass der O.T.O. seine angeblich dunklen Machenschaften weiter führen könne. Sie behaupteten, der O.T.O. opfere Menschen und ermorde Säuglinge. In der Folge überhäuften sie Politiker, Strafverfolgungsbehören und Kinderschutzorganisationen Australiens mit ihren angeblichen Kenntnissen über die Straftaten des O.T.O.. Daraufhin erhoben zwei lokale O.T.O.-Mitglieder im Februar 2005 Klage.
Zu den Gerichtsterminen 2005 erschienen die beiden Betreiber von gaiaguys.net jedoch nicht, um ihre Vorwürfe zu untermauern. In Abwesenheit wurden sie zur Unterlassung ihrer Behauptungen, sowie zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Für die Gaiaguys wurde der Umstand ihrer Verurteilung ein weiterer untrüglicher Beweis für die Unterwanderung der Justiz, des gesamten Polizeiapparates, der maßgeblichen politischen Entscheidungsträger, sowie sämtlicher Medien durch den O.T.O.. Dieser versuchte mittlerweile vergeblich und mit grossem finanziellem Aufwand, den Server der Gaiaguys in den USA zum Löschen der Site zu bringen.
Die geschilderten Vorgänge veranlassten mich, Kontakt mit den Gaiaguys aufzunehmen.
1. Als Forscher und Publizierender über das O.T.O.-Phänomen bin ich an Material interessiert. Da die Betreiber der Gaiaguys-Site offensichtlich an Gerichtsprozessen mit dem O.T.O. beteiligt waren, wollte ich all diese Unterlagen einsehen.
2. Andererseits schrieb ich zu diesem Zeitpunkt mit meinem Co-Autor, dem Anwalt Andreas Huettl, an einem Buch, das, unter Auswertung der Erkenntnisse von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten, die bis dahin von Journalisten, Autoren und Sektenbeauftragten erhobenen Kindesmissbrauchs- und Ritualmordanschuldigungen aufarbeitet.
Ich kontaktierte die beiden Betreiber der Gaiaguys-Website und teilte ihnen mit, dass ich von keinem Pädophilie-Ring, an dem O.T.O.-Mitglieder oder der O.T.O. selber beteiligt wären, wisse. Im weiteren Verlauf schickten sie mir eine Kiste Materialien. Nach deren Erhalt übermittelte ich den Gaiaguys am 2. Oktober 2005 eine Personenliste, die ich einige Jahre zuvor aus verschiedenen Quellen erhalten hatte und die meiner Meinung nach jeder besitzt, der sich mit dem O.T.O. beschäftigt.
Ich erwartete von den Betreibern der Gaiaguys-Site korrektes analytisches und journalistisches Vorgehen: dass sie nämlich anhand der Liste überprüfen, ob wirklich, wie behauptet, Richter, Anwälte, Polizisten, Medienschaffende und Politiker im O.T.O. seien. Dazu musste ich eine absolut vollständige Liste mit Namen und Adressen übermitteln. Ansonsten wäre ich selber in den Geruch geraten, manipuliertes Datenmaterial zu verbreiten, was den Verschwörungsfantasien der Gaiaguys Vorschub geleistet hätte. Diese Liste besass für mich niemals eine andere Bedeutung als die eines Arbeitsinstrumentes und wurde von mir nicht mit der Absicht weitergegeben, sie publiziert zu sehen.
"Ach, die Welt ist so geräumig, /
Und der Kopf ist so beschränkt!"
- Wilhelm Busch
Sofort nach Erhalt der Liste wurde von den Gaiaguys auf ihrer Website ein Link publiziert, der zu einer Adressenliste führen sollte. Ohne den Link zu kontrollieren, nahm ich an, das sei die von mir versandte Liste. Unmittelbar darauf verlangte ich, diese Liste zu entfernen und schickte auch an die leitenden Protagonisten des O.T.O. ein Email, in dem ich sie von der Situation in Kenntnis setzte, mein Bedauern über das Vorgehen der Gaiaguys ausdrückte und anbot, dies zu publizieren.
"Never Trust An Occultist"
- Ellic Howe
Im Herbst 2006 erfolgte die Publikation des Gemeinschaftswerkes "SATAN - Jünger, Jäger und Justiz", mit Andreas Huettl. In diesem Buch wird mehrmals auf die Geschehnisse rund um die Gaiaguys eingegangen.
Zur gleichen Zeit erstatteten William Breeze, Amerikanischer Chef der Muttergesellschaft des O.T.O., und Stephen King, sein australischer Stellvertreter, Strafanzeige wegen eines angeblichen Verstosses gegen das Datenschutzgesetz gegen mich. Sie behielten sich gleichzeitig vor, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.
Die Anzeigeerstatter waren der Meinung, ich hätte es unterlassen, den Transfer der Namensliste zuvor beim schweizerischen Datenschützer anzumelden, was zu dieser Zeit noch gesetzlich unter gewissen Umständen nötig gewesen wäre.
"Ich sinke nieder, ich stammle verwirrtes Zeug -
der Weltgeist kommt mir wieder so gross vor -
zu gross!"
- Paul Scheerbart
Das Datenschutzgesetz sah zu dieser Zeit tatsächlich vor, dass der Transfer von Datensammlungen in gewisse Länder einer simplen Anmeldung per Formular bedürfte. Dieses Gesetz wollte nicht verhindern, dass Daten übertragen werden, sondern nur, dass Daten übertragen werden, ohne dass der Datenschutzbeauftragte vom Transfer Kenntnis erlangte. Man wollte also den Umlauf von Daten erfassen und nicht verbieten, dass diese im Umlauf sind.
In seiner (laut eigenen Aussagen) "aufwendigen" Vertretung seiner Mandanten übersah der Anwalt von Breeze und King jedoch, was eigentlich innert Minuten online und ohne Anwalt ersichtlich war:
1. Das Datenschutzgesetz sah zu diesem Zeitpunkt ein paar Ausnahmen vor.
2. Eine Revision dieses spezifischen Gesetzespunktes war in Arbeit.
Zu 1:
Es gab Ausnahmen für Privatpersonen: Der Transfer nach Australien war erlaubt, da Australien eine der Schweiz ähnliche Datenschutzregelung kennt.
Für Medienschaffende galt: Wer in Periodika publizierte, war von der Anmeldepflicht enthoben – eine regelmässig aktualisierte Webseite galt als Periodikum.
Wer Wind sät, wird Sturm ernten
Ich ersuchte um eine Vorladung vor den Statthalter, dem ich am 19. November 2007 unter Anderem folgende Fakten vorlegte:
- Die Anzeigeerstatter Breeze und King haben ihre eigene Adresse schon unzählige Male online und in Printmedien publiziert: z.B. auf http://www.fastbooks.com.au/spirit.html, in den Magazinen "The Magical Link", "beastly" und "laylah", im trademark Register http://pericles.ipaustralia.gov.au, und mit weiterführenden Links zu weiteren Adressen auf http://www.otoaustralia.org.au/contacts.htm und http://oto-usa.org/intrl.html. Diese Tatsache ist zu betonen, da sie in der Anzeige nicht formuliert worden ist.
- Da Breeze und King über ihren Anwalt vortragen liessen, die Liste sei ein "Religionsbekenntnis" gewesen und damit sensibler als eine andere Datensammlung, zeigte ich auf, dass der O.T.O. lediglich ein Klub ist, ein Verein, der Selbsterfahrungsgruppen organisiert, Selbsthilfeseminare leitet, Rollenspiele veranstaltet und dazu Bücher und Spielkarten publiziert. In Australien ist dieser Verein als "business" eingetragen (http://www.search.asic.gov.au, http://www.abr.business.gov.au und http://pericles.ipaustralia.gov.au/). Falls trotzdem ein Zusammenhang zwischen einer Religionszugehörigkeit und dem O.T.O.-Verein bestünde, dann wäre es fraglich, um was für eine Religion es sich denn handeln sollte, da, laut eidesstattlicher Aussage von Breeze, Mitglieder der verschiedensten Religionszugehörigkeiten im O.T.O.-Verein sind.
- Es besteht ein öffentliches Interesse am O.T.O.. Dies wird gezeigt durch unzählige Publikationen über gewisse antidemokratische, antisemitische Äusserungen und Textpassagen, die den religiösen Frieden stören könnten. Es besteht ausserdem der Verdacht, dass gewisse Rollenspiele des O.T.O. gegen das Schweizerische Tierschutzgesetz verstossen könnten.
- Es entspricht wissenschaftlicher Auffassung, dass die publike Zugehörigkeit zu diesem Verein gerade wegen dessen Problematik zum Bestandteil des positiven Selbstwertgefühl der Mitglieder wird. (Claudia Kowalchyk: "A study of two 'deviant' religious groups: The Assemblies of God and the Ordo Templi Orientis," NY 1994).
- Es ist nicht nachgewiesen, dass diese Datenliste jemals von der Website der Gaiaguys abrufbar gewesen ist. Der Anwalt der Anzeigeerstatter legte nicht mal Screenshots der damaligen Homepage der Gaiaguys vor.
[Da sie erneut nicht vor Gericht erschienen, landeten die Gaiaguys Ende 2007 wegen Missachtung des Gerichts im Gefängnis. Daraufhin löschten sie aus eigenem Antrieb ihre Website und befinden sich wieder auf freiem Fuss.]
Zu 2.
Die angekündigte Revision des Datenschutzgesetzes trat in Kraft und ich wurde am 13. August 2008 freigesprochen. Breeze und King verloren und blieben auf ihren Anwaltskosten sitzen. Ich erhielt eine Kostenentschädigung.
Und wenn dann der Kopf fällt, sage ich "Hoppla!"
- Bertolt Brecht
Zusammenfassend:
Der O.T.O. geriet – nicht zum ersten Mal – in den Verdacht, Teil einer Pädophilen-Verschwörung zu sein. Ich stellte den Anschuldigern Informationen zur Verfügung, anhand derer sie den (fehlenden) Wahrheitsgehalt ihrer Vorwürfe überprüfen konnten. Der O.T.O. zeigte mich an. Ich wurde freigesprochen.
Abschliessend kann man sich fragen, weshalb der O.T.O., der sich Anschuldigungen des Kindesmissbrauchs ausgesetzt sieht, ausgerechnet einen Schweizer Anwalt beauftragt, der aus ähnlichen Verdachtsgründen aus dem Staatsdienst ausgetreten (aber dann voll rehabilitiert worden) ist?
In einem anderen Verfahren vertrat dieser Anwalt vor Gericht ausserdem einen Mandanten mit dem Argument, die Schweizer Gesetze gegen Pädophilie verstiessen gegen die Menschenrechte gemäss der europäischen Menschenrechtskonvention. Derselbe Anwalt versuchte vergeblich, die Einholung eines Gutachtens zu erreichen, um den angeblich kulturellen und daher schutzwürdigen Wert der monierten Website des Vertreibers von pädophiler Pornographie zu zeigen.
Mutet diese Strategie nicht sonderbar an: Der O.T.O. bemüht sich einerseits, Vorwürfe der Pädophilie seiner Mitglieder von sich zu weisen – und lässt sich andererseits von einem Anwalt vertreten, der Gesetze gegen Pädophilie für menschenrechtswidrig hält?
© P.R. Koenig, Oktober 2008
English Version: Honesty Is The Best Policy
Some background information
Lawyers and Historians: The 'Caliphate' versus the Truth? -- Introduction
the Maine decision 1984 [to the disfavour of the 'Caliphate']
| the California decision 1985 [to the favour of the 'Caliphate']
Purchase of the copyrights on Aleister Crowley from the Official Receiver (OR)
The 1999 Particulars of Claim ['Caliphate']
Financial Reports 1996-1999 of the 'Caliphate'
Erraneous opinion on the International Copyright Situation. Text by Anthony Naylor before he lost his case against the 'Caliphate' in 2000
What the 'Caliphate' does not want you to know . Text by Anthony Naylor before he lost his case against the 'Caliphate' in 2000
Crowley's Probate. Text by Anthony Naylor before he lost his case against the 'Caliphate' in 2000
'Caliphate' Capers. Text by Anthony Naylor before he lost his case against the 'Caliphate' in 2000. Based upon a draft by James Grαeb
Structure, Constitutions and Money. Partly written by Anthony Naylor before he lost his case against the 'Caliphate' in 2000
Library of Congress, letter dated September 6, 2000
2000, July: An analysis of the Bylaws of the 'Caliphate' and its Board of Directors. By James Grαeb
2000, July: Incorporation of O.T.O., Argentum Astrum and E.G.C.
2000: "Caliphate-O.T.O. Win" and the The Writing on the Wall. Text by Anthony Naylor before he lost his case against the 'Caliphate' in 2000
Court Order of October 2000
James T. Grαeb, co-founder and IX° of the 'Caliphate', a lawyer, calls the 'Caliphate' a "Puppet Show
Piece" and files suit vs William Breeze, William Heidrick, Marcus Jungkurth et alii in 2001
The 2002 Ruling
The Summary so far
Ordo Templi Orientis - Trade Mark - Starfire Publishing Limited
Some Things
Court Case H.J. Metzger vs Walter Englert in the 1970s
1991 Opinion of a German prosecuting attorney's office on the body of the 'Caliphate' Erfahrungsbericht eines O.T.O.-Mitglieds im Zusammenhang mit dem Gerichtsprozess 'Caliphat' gegen Hänssler-Verlag, 1990
Unsuccessfull attempt in Yugoslavia
Censorship in the UK
The "Caliphate" Book Patrol: Fahrenheit 418
Paul Joseph Rovelli versus the 'Caliphate', New York January 2000
1998, July 17 - 2000 October Austrian situation on Copyrights [German and English]
Trademark O.T.O.. By Leslie Anne Childress
2007 'Caliphat' Kasino in DeutschlandEnglish translation: 2007 'Caliphate' Casino2008: Honesty is the best Policy: 'Caliphate' O.T.O. / William Breeze lost in a legal case Deutsche Version: Ehrlich währt am Längsten: Warum der O.T.O. gegen P.R. Koenig verlor
Items of Historical Interest
In 1930, Karl Germer sent a description of the Aleister Crowley LTD. to Fernando Pessoa
Karl Germer, L. Wilkinson and Lady Harris
Other Background
The 'Caliphate'
Discussion about the instrument of succession. An introduction to the background, followed by a transcript of such discussion
National Grandmasters and OHOs of the
O.T.O.
Minutes of the 11 IX°s 'Caliphate' election in 1985 where it was clearly said that the 'Caliph' is not the juro OHO
More about all this in: Andreas Huettl and Peter-R. Koenig: Satan - Jünger, Jäger und Justiz
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