Ordo Templi Orientis |
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Versiune romana: Reich-ul Templier
Man könnte Crowley als politischen Wendehals auffassen, der sich überall anbiederte und seine Religion zuerst als Privatvergnügen betrieb. Je mehr Crowley jedoch mit seinen politischen d.h. weltverbessernden Ambitionen scheiterte, umso mehr spielte er sich als Religionsstifter auf.
Crowley zog Fanatiker aller Couleurs an. Er war ein Besserwisser (nicht nur in politischer Hinsicht), der eine Religion für selbsternannte Aussenseiter zusammengestellt hat. Diese Religion kann man kaum als menschenfreundlich oder demokratisch betrachten. Thelema will Staatsreligion werden, egal welchen Staates, d.h. der Religionsstifter biederte sich mit seiner Religion jedem Staatsgebilde an, egal wie totalitär oder radikal auch immer, Hauptsache: ein irgendwie anti-christliches Element war vorhanden. Erstaunlich am Ganzen ist, dass Thelema und der O.T.O. ja das Christentum nicht ersetzen, sondern in einen Ur-Zustand zurückversetzen sollen. So schrieb Crowley 1944, ganz im Stile von Theodor Reuss, dass es die Aufgabe des O.T.O. sei, "to restore Christianity to its real status as a solar-phallic religion".
Es sollte jedoch nicht übersehen werden, welch vielfältige Art von Klientel sich von diesem Thema angezogen fühlt.
Crowleys Antisemitismus und andere unbequeme Züge dürfen nicht in den Hintergrund gedrängt werden, um "Crowley" für den mainstream und die academia schmackhaft zu machen.
Ich sage nicht, dass Crowley, Thelema oder der O.T.O. faschistisch oder nazistisch sind. Crowley unterhielt auch Beziehungen zu Kommunisten. Totalitär wäre wohl das bessere Wort. Es ist jedoch augenfällig, dass einige menschenfeindliche Elemente in der Biographie Crowleys, im Konzept von Thelema und in den Anweisungen zum O.T.O. und in seiner Umgebung zu finden sind. Konzentrieren wir uns also auf das Auffällige. Und die Protagonisten. Und wer sich sonst noch in diesem Milieu aufhielt: okkulte Rassisten. Und die thelemitischen Vorbilder.
Es muss hier ganz ausdrücklich auf Marco Pasi "Aleister Crowley und die Versuchung der Politik" (Graz 2006) hingewiesen werden. Original: "Aleister Crowley e la tentazione della politica" (Mailand 1999). Ausgelassen sind in diesem online Artikel also absichtlich alle Themen, die Pasi in seinem Werk ausführlich analysiert. Dies soll lediglich eine Art ergänzende Dokumentensammlung sein.
Andererseits wurden nach der nationalsozialistischen Machtergreifung neben den Freimaurern 27 bestehende logenähnliche Organisationen, darunter auch die Okkultgruppen verboten. Den Schlussstrich unter die Nazi-Propaganda gegen Freimaurer und alle angeblich ähnlichen Organisationen setzte der Runderlass des Reichsführers SS aus dem Jahre 1937. Der Gestapo wurde der Auftrag erteilt, die verbotenen Gruppen aufzulösen, soweit sie dies nicht bereits selbst schon getan hatten.
Freimaurerlogen
Freimaurerähnliche Organisationen
Korporative Zusammenschlüsse
Ferner
Am 28.6.1937 ferner verboten
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Dem gesellten sich bald noch die Atlantische Adepten (Meister Therion) dazu.
Der Runderlass war wohl der abschliessende Akt. Zuvor hatte man die Logen bereits zur Selbstauflösung aufgefordert. Wer dem nicht nach kam, wurde 1937 endgültig verboten.
Eugen Grosche, der Gründer der Fraternitas Saturni, ist in der Nazi-Zeit in die Schweiz geflohen und Karl Germer, Crowleys bester Freund, landete gar im KZ.
![]() | Karl Germers KZ-Aufenthalt wird gerne als Feigenblatt verwendet, um Vorwürfen faschistoider Tendenzen im O.T.O. zu begegnen.
Germer glaubte, seine Verhaftung sei im Zusammenhang mit Artikeln im "Judenkenner" zu sehen. [siehe unten].
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"Informant advised that subject has stated he is of the opinion that HITLER is right in believing Germans are the "Master Race". Subject's conversation is alleged to be violent Nazi propaganda." *** that he has often heard of ALEISTER CROWLEY's being consulted by HITLER concerning his "Black Magic" and he has often heard GERMER state that he, GERMER, is a believer of HITLER's ideology to the extent that he, too, believes that the Germans are a "Master Race". I have felt worried because his conversation is violent Nazi propaganda." | ![]() |
Nur weil jemand im KZ gelandet ist, heisst das noch lange nicht, dass er keine faschistoide Weltanschauung vertrat. Viele Ariosophen und rabiate Antisemiten wurden von den Nazis verboten, Lanz von Liebenfels zum Beispiel, der mit seinen Schriften Adolf Hitler beeinflusst hat. Den Nazis war das alles zu undeutsch, zu schwärmerisch, zu okkult. Mathilde Ludendorff, Verfechterin der völkischen Weltanschauung, sah 1933 im O.T.O. eindeutig ein Brutnest für "Irresein durch Occultlehren".
Totalitär ist nicht nur die religiös-philosophische Ideologie Thelema, sondern auch die Gefühlshaltung, die Wertvorstellungen, die Ansichten über das Auserwähltsein, die Rollenidentifikationen, das projizierte ungerechte Schicksal der Thelemiten und die daraus abgeleitete gerechtfertigte Prädominanz über die Nicht-Thelemiten. Politisch gesehen äussert sich das im Antidemokratischen egal welcher Couleur.
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Crowley war dermassen von Ewers begeistert, dass er auf eine Übersetzung seiner Gnostischen Messe ins Deutsche durch Ewers hoffte. Beide, Ewers wie auch Crowley, publizierten pro-deutsche Propaganda in der damaligen Zeitschrift "The International". Reuss übersetzte daraufhin einen Crowley Text und 1917 die Gnostische Messe. Faksimile in "Der Grosse Theodor Reuss Reader", München 1997, 210ff.
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Ewers Okkultroman "Vampir" behandelt den Blutdurst, das Aufschneiden von Brüsten und das Trinken von Blut. Motive, die gern von Okkultisten verwendet werden. Er war ausserdem verantwortlich für einige Drehbücher der bekanntesten Filme des Expressionismus der 20er Jahre, z.B. "Der Student von Prag". Ewers schrieb die Romane "Alraune", "Das Grauen", "Die Besessenen", "Horst Wessel" (im Auftrag von Hitler geschrieben), "Nachtmahr", "Mein Begräbnis", "Vampir", "Zauberlehrling" und eine Reihe von Werken, die in der Tradition von Crowleys Romanen stehen und Eugen Grosches schlüpfrigen Okkultroman "Exorial" vorwegnehmen.
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Interessant die persönliche und politische Entwicklung Ewers': Er trat 1931 der NSDAP bei, wurde 1934 selbst von den Nazis verboten und unterstützte fortan verfolgte jüdische Freunde. Kurz vor seinem Tod 1943 ermöglichte er seiner halbjüdischen Lebensgefährtin die Flucht in die Tschechoslowakei.
Mehr über den Hintergrund von Hess und Crowley in Marco Pasis Studie. Ebenfalls in Richard B. Spence: "Secret Agent 666" (WA 2008)
| Crowley kritzelte Hermann Rauschnings "Hitler Speaks" von 1939 [Gespräche mit Hitler] mit Kommentaren voll, die ihm 'bewiesen', dass Hitler für "Mein Kampf" vom Liber AL kopiert haben soll. He almost certainly got the [Swastika] from us. I personally had suggested it to Ludendorff in '25 or '26 [...] Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff (1865-1937) unterstützte eine zeitlang Hitler und die NSDAP. Für Ludendorff lag das Übel der Welt bei Christen, Juden und Freimaurern. | ![]() |
In seinen Tagebüchern notierte Crowley seine Träume von Hitler. Am 4.2.1938 träumte er "about Hitler & cigars & Magick & my horse Sultan. I was running Germany for him", denn "Fascism must always fail because it creates the discontent which it is designed to suppress." Am 2.6.1939 träumte Crowley wieder von Hitler. "I had several long talks with Hitler a very tall man. Forgot subject, but he was pleased & impressed: ordered all my books translated & made official in Germany". Tagebucheintrag vom 17.10.39: "Hitler reported dead from a surfeit of raspberries". Am 24.1.40 erneut ein Traum mit Hitler und "Phallic geometric pictures, Satanic parodies of diagrams" etc. Am 29. Juli 43 sah Crowley einen Zeichentrickfilm: "Saw show of cartoons lampooing Mein Kampf, with appropriate quotations. Taken in these selected doses, what a masterpiece! And how patent & profound a debt he owes to AL!"
Nach dem Krieg folgte die Kehrtwendung: "Himmler, the Schweinhund [sic] & worse who put Karl Germer on Concentration Camps - chiefly because he was my friend! - killed himself after capture."
![]() | Thame, England, 1991. 350 nummerierte Kopien. |
Crowley war ein politischer Wendehals. Seine politische Hauptaussage lässt sich aus seinem Tagebucheintrag vom 29. Mai 1923 herauslesen: "I'm certainly not an anarchist, for the family is the smallest and so vilest unit of government: nor a Socialist, for the State is the largest and so the least human unit. I suppose then, that - with Ethyl as without - I want a Patriarchal-Feudal system run by initiated Kings."
In seinen Publikationen liest sich das so:
"This is the central doctrine of Thelema in this matter. What are we to understand by it? That this imbecile and nauseating cult of weakness - democracy some call it - is utterly false and vile." [Magick Without Tears, Kapitel 46]
"The principle of popular election is a fatal folly; its results are visible in every so-called democracy. The elected man is always the mediocrity; he is the safe man, the sound man, the man who displeases the majority less than any other; and therefore never the genius, the man of progress and illumination." [O.T.O. An Intimation with Reference to the Constitution of the Order]
Crowleys Bücher sind voller antisemitischer Stereotypen. Im Kontext von Thelema sind aber diejenigen ausschlaggebend, die im Zusammenhang mit der Auslegung seines Liber AL existieren. Crowley hat explizit verboten, das Liber AL zu diskutieren:
Deshalb sind die Thelemiten gezwungen, auf Crowleys eigene Auslegungen zurückzugreifen. Der 'New Comment to Liber AL' benennt die heathen (das heisst, die Nicht-Thelemiten): "Christians and other troglodytes -- but most especially the parasites of man, the Jews" [III;11]. An anderer Stelle derselben Auslegung zur Bibel der Thelemiten, heisst es, "especially Jews and Protestant Christians" seien wie "vernim" 'auszulöschen' [III;18].
In der zensierten Version des 'Caliphats' von William Breeze fehlen obengenannte antisemitische Passagen.
In der "geheimen" Instruktion zum VIII° des O.T.O. bemüht Crowley eine andere, altbekannte antisemitische Stereotype: Er beschreibt Juden, die die Kinder von Nichtjuden für Blutmessen schlachten, um deren Blut als Sakrament zu konsumieren oder für talismanische Zwecke zu verwenden. Dies ist keineswegs ironisch gemeint, sondern als Belehrung: "Consider this". Falls jemand diese Anschuldigung (und andere, die in der Instruktion zum VIII° enthalten sind) als "monstrous and extravagant" empfinde, dann sei dies lediglich auf einen "defect" "in their own intuition and apprehension" zurückzuführen.
Dies sind nicht die Aussagen irgendeines Thelemiten, sondern des Erfinders, des Gründers von Thelema, des Propheten des Neuen Aeons. Crowley sagte von sich selbst am 22. Oktober 1920: "I am the Beast [...] I am Thelema" und am 27. Mai 1917: "I myself AIWAZ have been considering all the time how to act as to Crowley's body and mind." Am 14. Juni 1917: "I am getting quite to the point of habitual recognition of myself as AIWAZ."
Aiwaz ist der 'Autor' des Buchs des Gesetzes, also von Thelema.
Es gibt etliche Länder, in denen antisemitische Aussagen gesetzlich nicht erlaubt sind und die Anwendung der Anti-Rassismus-Strafnorm nach sich ziehen.
Moderne Thelemiten teilen Crowleys krasse Aussagen nicht in allen Belangen. Crowley habe ja auch das Christentum, den Islam und den Buddhismus denunziert. Ausserdem seien viele O.T.O.-Mitglieder jüdischer Herkunft.
Dem ist entgegen zu halten, dass die meisten Thelemiten christlicher Herkunft sind, und dass Antisemitismus sein hässliches Gesicht auch dann nicht verliert, wenn er sich in die Familie von antichristlicher, anti-islamischer und anti-buddhistischer Hetzrede einreiht.
Der weltweit verbreitetste O.T.O., das 'Caliphat', vertreibt Selbstporträts des Religionsstifters "suitable for worship" [The Magical Link #2, Fairfax 1998, 10]
Offiziell hält das 'Caliphat' seit 1999 fest, dass Nicht-Mitglieder nicht als minderwertig betrachtet werden dürfen.
http://lib.oto-usa.org/sabazius/essays/memo0101.html
Crowley sah seine Religion als staatsbeherrschend: "Es ist beabsichtigt, dass die weltliche Macht des Staates zum Gesetz [von Thelema] gebracht wird" (Liber CI, 40). Der O.T.O., wie auch Thelema, sind anti-gesellschaftlich, anti-demokratisch.
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Ähnlich argumentierte schon Guido Wolther im Zusammenhang mit seiner Sexualmagie in der Fraternitas Saturni: "Den Penis eines Nichteingeweihten führe nie in Deine Scheide ein. Penis u. Samen eines Laien gehen durch den Mund [...] Nimm keine Rücksicht auf den Laien – wirf ihn weg wie einen alten Handschuh – wenn er nichts mehr hergibt". Faksimile in "In Nomine Demiurgi Nosferati", München 1999, Seite 111 |
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Derselbe Guido Wolther, ehemals Grossmeister der Fraternitas Saturni von 1966: "Mein Frau ist übrigens Jüdin und Französin und hatte in ihrer Jugend schreckliche Erlebnisse - was meinen Sie, was sie für einen Schock erhielt, als ihr einer der FS-Logenbrüder "beichtete", dass er als SS-Mann in einem Frauenlager viele umgebracht hat? Als Hochgrad war sie verpflichtet sich das anzuhören - und dann zu schweigen und zu vergessen und zu vergeben. Oh Gott! Ich könnte das nicht!"
Faksimile in "In Nomine Demiurgi Nosferati", München 1999, Seite 175
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Nach dem Zweiten Weltkrieg war Friedrich Lekve mit seinen "Thelemischen Lektionen" für das Überleben von Thelema im deutschsprachigen Raum Europas verantwortlich. Er sah sich selber als Crowleys persönlicher Stellvertreter.
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Crowley selber scheint Martha Küntzel rehabilitiert zu haben. Das Vorwort zu seinem Tarot-Buch von 1944 ist angeblich von Martha Küntzel verfasst worden. Was nicht stimmt, Crowley selber hat es geschrieben.
Details zu Martha Küntzel in Marco Pasi "Aleister Crowley und die Versuchung der Politik", Graz 2006.
"It would be exciting indeed if Martha Kuntzel had been the originator of this excellent advice! Alas, however, the whole idea of Hitler being her 'magical child' would seem to have been exploded by the lady herself:
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Krumm-Heller veröffentlichte sein faschistisches Geschwafel in seinen Ordensschriften: also wurde bei ihm Politik und Religion miteinander vermischt.

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Kompletter Text in "Ecclesia Gnostica Catholica" |
Einen seiner Söhne schickte er 1937 in die NAPOLA. Er bewunderte Mussolini und Kemal Atatürk und arbeitete zusammen mit Ernst Issberner-Haldane an esoterischen Ideen über Plasmogenie und dem Ursprung des Lebens. Issberner-Haldane publizierte im selben Verlag wie Eugen Grosche, dem Verlag der Freude in Wolfenbüttel.
[Mehr über die Verwicklungen zwischen Krumm-Heller, Aleister Crowley, Karl Germer ... bald auf dieser Webseite]
Nichtsdestrotz wurde Krumm-Hellers Bibliothek 1942 von den Nazis konfisziert. Hier war er in guter Gesellschaft anderer Okkultisten: Heinrich Tränker, der sich als Oberhaupt vieler Organisationen, darunter auch des O.T.O. sah, und Julius Meyer vom Illuminaten-Orden Reuss'scher und Leopold Engelscher Herkunft erlitten das gleiche Schicksal.
Issberner-Haldane, Mitglied von Lanz von Liebenfels' Ordo Novi Templi (O.N.T.), publizierte nach dem Zweiten Weltkrieg im selben esoterischen Heftchen wie Hermann Joseph Metzger, Chef des Schweizer O.T.O.: der 'Arve'.
![]() | Hier Issberner-Haldane. Peter Mano ist Hermann Joseph Metzger. Andere Autoren der 'Arve': Manfred Kyber, Hans Sterneder, G.W. Surya, Herbert Fritsche (der sich als Nachfolger von Arnoldo Krumm-Hellers Gnostischer Kirche sah), Theodor Czepl (Nachfolger von Liebenfels und aktiv im Frankfurter Illuminaten-Orden der 1960er Jahre unter Walter Englert) ... |
E.O.L. Mitteilungsblatt No. 1, Juni 1954, Zürich 1954, Seite 6
"Ein Fest für das Feuer, ein Fest für das Wasser, ein Fest für das Leben, ein grösseres Fest für den Tod."
Ein leuchtendes Beispiel ungebeugten Bekennertums und höchster Tugend
Grosche reagierte am 29. Dezember 1950 abwartend: "Mit Lanz von Liebenfels werden Sie kein Glück haben, er ist viel zu einseitig arisch eingespannt. - Ich kenne alle seine Schriften."
Davon gleich mehr.
Als ich einen Hochgradmitglied des 'Caliphats' aus dem inneren Kreis (der hier ungenannnt bleiben soll), ohne Krumm-Heller namentlich zu nennen, nach seiner Meinung zur Publikation des Buchs eines Rassisten durch den O.T.O. fragte, wollte er als erstes wissen, ob es um Reuss oder Crowley ginge. An die beiden scheint man sich gewöhnt zu haben. Sie waren auch nicht so rabiat, wenn man davon absieht, dass Reuss die Eheschliessung und Fortpflanzung durch den O.T.O. reglementieren wollte: "Personen (männlich oder weiblich), welche vom Ärztlichen Obersten Gesundheitsrat als zur Erzeugung von gesunden Kindern für nicht befähigt befunden wurden, dürfen keine Ehen eingehen. Personen, welche trotz dieses Verbots Kinder zeugen, werden mit öffentlicher Zwangsarbeit bestraft."
Der Zeitgeist:
Arnoldo Krumm-Hellers Romane "Hertha" und "Alfredo" sind eine Schimpftirade auf Prostitution, Mode, Masturbation und allerlei andere Vergiftungen der modernen Welt. Die natürliche Frau wird allein durch die Ehe gerettet.
Nachdem ich diesem Hochgradmitglied und treibender Kraft im 'Caliphat' den Namen Arnoldo Krumm-Heller offengelegt hatte, weigerte er sich, darauf einzugehen.
Was ganz eindeutig ist: Mathilde Ludendorff, die völkische Ideologin, hat sich 1933 eindeutig gegen den O.T.O. ausgesprochen.
Dieter Heikaus vom Ordo Saturni bewarb Mitte der 80er Jahre seinen Ordo Saturni im Spirituellen Adressbuch auch damit, dass man eine "Spezialabteilung für Ariosophie" unterhalte. Mir gegenüber offenbarte er, dass er im Hause von Rudolf Mund verkehrt habe, dem Autor von "Jörg Lanz v. Liebenfels und der Neue Templer Orden". Mund war der Nachfolger von Liebenfels' Orden
und besuchte auch den Schweizer O.T.O.
Die Götter lebten früher auf der Erde. Bei Liebenfels nun mit einem Dritten Auge ausgestattet, mit dem Materie umgewandelt werden konnte. Diese Götter teilten sich in weisse und schwarze Magier. Die weissmagischen Götter betrieben eine Menschenzucht, woraus sich die arische Rasse entwickelte, die schwarzmagischen Götter kopulierten mit Tieren, woraus die Untermenschen entstanden sein sollen.
Die Leseliste für Liebenfels-Anhänger umfasste 1934 neben sehr vielen Anderen folgende im Okkultismus-Kontext bekannte Persönlichkeiten: Leopold Engel (Mitbegründer des Illuminaten Ordens von Reuss), Franz Hartmann (angeblicher Mitbegründer des O.T.O., obwohl die Fakten eine andere Sprache sprechen), Papus (= Gerard Encausse), zumindest letzterer im direkten Zusammenhang mit dem O.T.O., ausserdem E.T. Kurtzahn (ein Gnostiker im Umkreis von Theodor Reuss), H.P. Blavatsky und Arnoldo Krumm-Hellers Lieblingsbuch: die Pistis Sophia. [Aus "Praktische Einführung in die arisch-christliche Mystik. VI. Teil: Praxis, Geschichte und Literatur der Mystik"]. Interessanterweise fehlen all diese Namen, ausser Kurtzahn und Papus in der zwei Jahre zuvor publizierten Liste des "Ariosophischen Literaturverzeichnisses". Dafür sind Eliphas Levi und E.,C.H. Peithmann (aus dem O.T.O.-Umfeld und der Gnostischen Kirche) aufgeführt. ["Bibliomystikon, 4. Band, 1. Teil, Untertullnerbach 1932]. Im "Ostara"-Heftchen ("Lesebücherei der Blonden") Nr. 12 (Wien 1929, 20) bespricht Liebenfels Dion Fortunes Roman "Liebe aus dem Jenseits". In anderen Ostara-Heftchen wird Franz Hartmann empfohlen (Nummer 13, 1918; 79, 1915; 86, 1916), E.C.H. Peithmann (Nummer 13/14, 1930), Karl Prandler-Pracht (ein Freund von Krumm-Heller) (Nummer 26, 1917; 45, 1911; 79, 1915; dessen "Kalender für Okkultisten" in 82, 1915) und Peryt Shou (ein gemeinsamer Bekannter von Crowley und Krumm-Heller) (77, 1914).
Die Tatsache, dass Liebenfels ein paar O.T.O./Thelema-Protagonisten empfahl, ist kein Hinweis darauf, dass die Sympathie auf Gegenliebe gestossen sein könnte.
Scan aus 'Neue Metaphysische Rundschau', XVII, Heft 1, Berlin 1909, "Das Kabirengeheimnis", Seiten 12-13
Kein Wunder, dass diese okkulten Ideen sogar den Nazis zuviel waren. Liebenfels soll Schreibverbot erhalten haben, der dem O.N.T. angeschlossene "Lumen-Klub" wurde sogar 1938 verboten.
Alles in allem bleiben Liebenfels, seine Schriften und sein Orden aber ohne Einfluss auf die Nazi-Zeit.
Faksimiles aus "Feldzug gegen Rudolf Steiner", Flensburger Hefte 63, Flensburg 1998, Beitrag: P.R. König: "Gestatten, Undercover-Agent Peter-R. König", 109-168
Zu Bostunitsch, Liebenfels und Issberner-Haldane sei erneut auf Nicholas Goodrick-Clarke hingewiesen: "The Occult Roots of Nazism: Secret Aryan Cults and Their Influence on Nazi Ideology", 1985. Ausserdem Wilfried Daim: "Der Mann, der Hitler die Ideen gab", Wien 1957; Rudolf J. Mund: "Lanz v. Liebenfels und der Neue Templer Orden", Stuttgart 1976 und Ekkehard Hieronimus: "Lanz von Liebenfels: 'Lebensspuren'", in "Wege und Abwege" (Festschrift für Ellic Howe, Hrsg. Götz von Olenhusen), Freiburg 1990
Jean Paar wurde bald Ludendorffianer und publizierte auch unter dem Pseudonym S. Ipares. Zitate aus einigen der hier vorgestellten Werke in "Der O.T.O.-Phänomen REMIX", München 2001
Faksimile in "In Nomine Demiurgi Saturni",
München 1998
Von der Paranoia war es dann nicht mehr weit bis zum Skurrilen
Der französische 'Caliphats'-Logenleiter Christian Bouchet erhielt vom Spanier Manuel Cabrera Lamparter am 1991 aus dem Hause Michael Bertiaux eine rückdatierte spanische MM-Charta. Folgerichtig rief nun Bouchet die Nationale Französische Grossloge des Arnoldo Krumm-Hellerschen O.T.O. aus. Das 'Caliphat' verstiess daraufhin Bouchet, der sich mittlerweile politisch rechts regte. Wird in Frankreich vom O.T.O. gesprochen, ist, wie in Italien selten das 'Caliphat' gemeint, sondern meist die Gruppierung Bouchets, der sich der Öffentlichkeit als "Xe de l'Ordre du temple d'Orient, évêque gnostique et hiérophante de l'Etoile d'argent" vorstellt. Ablegergruppen, die meinen, Bouchets O.T.O. sei das 'Caliphat', tummeln sich mittlerweile in Spanien. 1994 machte Bouchet nämlich Jordi García Casas und Juan José Comas García zu V° der Loge "of the Mystical-Kindi" [sic] in Barcelona und unterzeichnete als "Marcion XI°". Die beiden sehen sich nun als Califas des O.T.O. für Spanien und werfen mit IX°, X° und XI° nur so um sich. Zusammen mit Bouchet agieren sie auch in der neofaschistischen Szene Spaniens um Ernesto Milá (Frende de la Juventud [FJ], Partido Español Nacional Socialista [PENS]), wobei Comas eine eigene neofaschistische Organisation CEDADE leitet. Dieselben Leute führen zusammen mit einem Gabriél Rojas ausserdem einen Temple of Set und eine Church of Satan, natürlich alles ohne Erlaubnis der richtigen Bosse. Selbstverständlich finden wir hier auch einen Ordo Illuminatorum und einen Ordo Templi Orientalis [sic].
Bouchet gründete 1991 ausserdem den politisch rechtsorientierten La Troisième Voie, von dem er sich jedoch 1996 (?) mit der politisch rechten anti-amerikanischen Gruppe Nouvelle Résistance abspaltete. 1999 beteiligte sich Bouchet als Nationalrevolutionär (Comités d'Action Republicaines) bei der Spaltung von Jean-Marie Le Pens Front National.
Anfang der 90er Jahre promovierte Bouchet als Historiker über Aleister Crowley. Sein Freund Rémi Boyer (angeblich Berater am französischen Justizministerium) scharte nun verschiedene Anhänger aller ideologischen Richtungen um sich und gründete einen Cercle d'Alexandrie. Dieser verschrieb sich nicht nur rituellen Praktiken, sondern auch theoretischen Studien (d.h. Materialsammeln). Es ist nicht ganz ersichtlich, ob diese Organisation identisch mit einer sog. Gruppe Thèbe ist, wo dieselben Namen auftauchen. Ebenfalls ist Boyers Name mit einer Gruppe Arc-En-Ciel verbunden. In den bunt zusammengewürfelten Reihen dieser Zirkel finden sich nicht nur Forscher, wie Serge Caillet (Memphis-Misraim) oder Robert Amadou (Prêtre de l'Église Syrienne), der manchmal bei den Zürcher Freimaurern zu Gast ist, sondern auch illustre Persönlichkeiten, wie der MM-Grossmeister Gérard Kloppel, Jean-Pierre Giudicelli de Cressac Bachelerie (Memphis-Misraim in Nizza und politisch rechts aktiv in der Front de Liberation National Corse) oder Jean-Pascal Ruggiu (Golden Dawn in Paris) u.a.
Martin Erler, ehemaliger Grossmeister des A.M.O.R.C. in Deutschland, der auch um 'Mitarbeit' in diesen Zirkeln gebeten wurde, kam zum Schluss, dass diese Gruppen nur "raffinierte Konstruktionen" seien, um sich Material beschaffen zu können.
Am 30.5.2001 verabschiedete die französische Regierung "The Law to Reinforce the Prevention and Repression of Groups of a Sect-like Character" a.k.a. the "Anti-Cult Law". Das Gesetz bezieht sich auf 172 aufgelistete Religionen, darunter auch der O.T.O.
Fogagnolo gründete um 1977 eine eigene militaristische Gruppe: Lo Muscio Brigade (BLM). Mit dieser wollte er Anschluss an die Rote Brigade finden, was ihm jedoch nicht gelang. 1981 verhaftete man die meisten Mitglieder der BLM. Fogagnolo flüchtete nach Turin, wo er Unterschlupf im anarchistischen Milieu fand, das von Einbrüchen lebte. Dort plusterte er sich auf und verbreitete Angebergeschichtchen, welch grosser Terrorist er sei und wie viele Leute er getötet habe. Er wollte Führer aller terroristischen Orga
nisationen Italiens werden und kam in Kontakt mit Familienangehörigen von Rote Brigade Terroristen. Deswegen denunzierte man ihn. 1981 kam es zur Verhaftung Fogagnolos. Um seine Haut zu retten, denunzierte wiederum er seine Mitstreiter. Trotzdem kam er nach Allessandrien ins Gefängnis. Er beging Selbstmordversuche, verweigerte das Essen. Zu jener Zeit löste er sich von allen terroristischen Gruppen. Kaum wieder draussen, spielte er sich als grosser Held auf. Im Gefängnis fand er Zugang zum Okkultismus. In der Folge übernahm er in Konkurrenz mit einigen anderen italienischen Okkultisten Ablegergruppen des O.T.O.A. und der F.R.A., wurde Memphis-Misraim-Mitglied und Bischof einer Gnostischen Kirche von Antiochien. Eine Zeitlang hielt Fogagnolo sogar Kontakt mit obenerwähntem Christian Bouchet, löst sich aber als Linksextremist bald wieder. Heute führt er eine Fraternitas Rosa Croce Dorei ed Antica.
In die Schlagzeilen geriet er im Sommer 2006, als sich herausstellte, dass er eine Zeitlang mit Claude Covassi befreundet war, der im Auftrag des Schweizerischen Nachrichtendienstes Islamisten bespitzelt haben soll.
Auf der Rückseite von "The Templars..." aus dem Jahr 2001 sprechen William Breeze (Chef des 'Caliphats') und Michael Aquino vom Temple of Set ihre Empfehlungen aus; das Werk dürfte damit eine besondere Bedeutung für alle Mitglieder bekommen. Wasserman unternimmt darin eine Tour de Force durch die Geschichte der alten Tempelritter und konstruiert, wie viele O.T.O.-Thelemiten, eine historische Kontinuität bis hin zum O.T.O. Dabei bringt er die alten Assassinen mit ins Spiel. Die Assassinen des Hasan-i-Sabah waren muslimische, politisch-motivierte Killer, die ihre politischen Feinde selektiv umbrachten.
Das ist nun natürlich seit 9/11 etwas problematisch geworden und sollte in den Zusammenhang mit seinem zweiten Buch gebracht werden, in dem er über die Gegenwart berichtet. In "The Slaves Shall Serve" von 2004 ruft er auf, nach den Waffen zu greifen: "Buy guns" und "You MUST join the National Rifle Association".
Viele Crowleyaner pflegen eine Vorliebe für Kampfsportarten. Sie leiten das gerne vom Liber AL ab, in dem ständig von Kampf, Krieg und allerlei Armageddon-ähnlichen Szenarien phantasiert wird. Wasserman geht nun viel weiter und propagiert einen "militarism, patriotism", "a strong military, decisive national self-interest" und ein "concept of the self-reliant citizen-soldier". Was sind seine Beweggründe?
Wassermans Kampfgeschrei und Ruf nach den Waffen geht Hand in Hand mit dem Fundamentalismus, der zur Zeit Amerika lähmt; oder antreibt, je nach Standpunkt des Betrachters. Wasserman hält Amerika für das freieste Land der Welt, das von dunklen Mächten bedroht wird und allein durch Crowleys Lehren erlöst werden kann. Angesichts realer und imaginierter Bedrohung wird der Glaube erneut zum ungebrochenen, kämpferischen Bekenntnis. Wassermann vergleicht die bösen Mächte, die Amerika an den Kragen wollen, sogar mit der thelemitischen Version des Satans. Der heisst bei den Thelemiten Choronzon und steht für alles, was dem Magier auf seinem Weg zur Vollkommenheit im Wege ist. Choronzon kann demzufolge alles sein, eine Frau, eine Idee, das eigene Ego, was auch immer. Für Crowley war Choronzon sogar ein ganz manifester Dämon, der beschworen werden konnte. In Wasserman zeigt sich deutlich, dass die Thelemiten religiöse Fanatiker sind, die sich als Gutmenschen gebärden, sich jedoch als Herrenmenschen fühlen. Was ist nun das Böse für Wasserman?
Er denunziert den Staat als Polizei- und Überwachungsstaat, das FBI als von "psycho-fascists" unterwandert und fürchtet die Globalherrschaft von "Islamo-fascists" und den Vereinten Nationen. Er ist nicht nur anti-europäisch, sondern nimmt in seinem Kommunistenhass sogar den Kommunistenjäger McCarthy in Schutz. Wasserman ist für das Schulgebet, so als könne man das Wort Gott einfach durch eine thelemitische Gottheit ersetzen. Er bezieht sich dauernd auf die John Birch Society, eine ziemlich rechtsorientierte Organisation, auf deren Vorbild er sich beruft.
Und im Gegensatz zu allen Thelemiten und O.T.O.-Mitgliedern, von denen ich weiss, ruft Wasserman ganz offen aus: Werdet aktiv, schreibt an Politiker und Zeitungen, greift zu den Waffen.
Wasserman sieht die Linie des O.T.O. bis zu Muslim-Attentätern zurückgehen und warnt gleichzeitig vor "Islam-Faschisten"? Hier gerät er in der Tat ins Schleudern. Er muss nun zwischen dem selektiven Töten der Assassinen und dem wahllosen Töten Bin Ladens lavieren. Selektives Ermorden spezifischer Feinde, die einem an den Kragen wollen, scheint Wasserman nicht zu beanstanden.
Er beruft sich auf die amerikanische Declaration of Indepence, die U.S. Constitution und die Bill of Rights. Und stellt diesen Crowleys "Charta der Menschenrechte" (Liber OZ) hinzu, in der nicht nur das Recht auf freie Willensäusserung verlangt wird, sondern ebenso die Berechtigung, jene zu töten, die einem dieses Recht verweigern.
Obwohl Wasserman es nicht explizit schreibt, habe ich den Eindruck, er vergleiche das 'Caliphat' mit der WACO-Gruppe, die er ausgiebig in Schutz nimmt. Zur Erinnerung: Kleine Sektiererfarm, bis über den Kopf voller Waffen, vom FBI belagert. Frauen und Kinder beinahe alle gekillt.
Nicht alle Thelemiten unterstützen solche Positionen. Es gibt tatsächlich Hochgradmitglieder, denen Wasserman peinlich ist und die seine Bücher für schrecklich halten.
Es sei hier nochmals ausdrücklich Marco Pasis "Aleister Crowley und die Versuchung der Politik" (Graz 2006) erwähnt, das bislang nicht auf Englisch übersetzt ist. Original: "Aleister Crowley e la tentazione della politica" (Mailand 1999).
Pasi analysiert Crowleys politische Einstellung und seine Beziehungen zu J.F.C. Fuller, Tom Driberg, Walter Duranty, Gerald Hamilton, Maxwell Knight und Fernando Pessoa. Das Nachwort von H.T. Hakl nimmt Bezug auf Julius Evola.
Diskussion über den Faschistoiden Aspekt von Thelema
Not O.T.O. related: Rudolf von Sebottendorff: Der Talisman des Rosenkreuzers. With a preface by Albrecht Goetz von Olenhusen Mehr über diese Orden und ihre Protagonisten in: Andreas Huettl und Peter-R. Koenig: Satan - Jünger, Jäger und Justiz
Hermann Joseph Metzger
H.J. Metzger, Chef des Schweizer O.T.O., bejubelte Lanz von Liebenfels.
Liber Al II.41
Dr. Georg Lanz von Liebenfels
hat am 22. April 1954, um 3 Uhr morgens, in vollem Frieden die Gewänder gewechselt.
Alle die ihn kannten werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Seine sterbliche Hülle wurde im Familiengrab des Penzinger Friedhofes, Wien XIV., am 28. d.M. beigesetzt.
V.I.T.R.I.O.L.U.M.

Am 22. Dezember gab H.J. Metzger Grosche gegenüber sein Interesse kund, Liebenfels in ein geplantes Ordenssammelsurium einzuverleiben: "... hingegen sollte man versuchen den letzten Gr. M. der Templer Hans [sic] von Liebenfels [...] zu gewinnen suchen ..."

Lanz von Liebenfels schrieb u.a. die "Theozoologie" (1906) oder das "Anthropozoon Biblicum" (1903-1904). Darin entwarf er das Bild einer neuen Menschenrasse und ariosophisch-mystisch geschulter Patrizier und Führer von Geheimorden, die an der Spitze der Völker stehen. In einem Kampf zwischen Gut und Böse müssen die arischen Asen in den heiligen Kampf gegen die Untermenschen, die Äfflinge und sonstigen rassisch Minderen ziehen, um diese zu vernichten. Der Retter der Asen ist dabei Frauja, gotisch für Christus.
Felix Lazerus Pinkus


Krumm-Heller und das 'Caliphat'
Der australische Zweig des 'Caliphats' publizierte im Jahre 2005 unter dem O.T.O.-Logo ein Büchlein Krumm-Hellers in englischer
Übersetzung; versehen mit einem blütenreinen Vorwort, das Krumm-Hellers politische Aktivitäten komplett auslässt. Das Hakenkreuz kommt nicht vor. Antisemitische Äusserungen kommen nicht vor. Pro-Hitler-Aussagen auch nicht. Sein Rassismus wird vollständig ausgeblendet.
Siehe Theodor Reuss' Parsifal und das enthüllte Grals-Geheimnis
Einige Stellen aus Reuss' O.T.O.-Utopie erinnern entfernt an Ideen von Lanz von Liebenfels "Theozoologie", Seiten 148ff.
Der scan weist auf die Stellung der Frau hin.
Auszüge aus Krumm-Hellers Romanen sind zu finden in "Ein Leben für die Rose".

Nazis und Okkultismus
Lange Zeit wurde einiger Wirbel in der Fachliteratur um die Verwicklungen zwischen Okkultismus und Nationalsozialismus entfacht. Es gibt dazu hervorragende Literatur. Ellic Howe, der mit dem Gerücht um Hitlers angebliche Astrologiegläubigkeit aufgeräumt hat. Manfred Ach/Clemens Pentrop, "Hitlers 'Religion'". Dann natürlich: Nicholas Goodrick-Clarkes "Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus". Wer sich in irgendeiner Weise mit diesem Thema befasst, kommt um Goodrick-Clarke nicht herum, das ist die definitive Studie zur Ariosophie. Kurz zusammengefasst wird man sagen können, dass viel Legendenbildung mit im Spiel war, was die Frage der Beeinflussung des Nationalsozialismus durch den Okkultismus betrifft. Heinrich Himmlers esoterische Neigungen waren wohl weit geringer, als sie von manchen gemacht wurden. Auch beim zweiten grossen Esoteriker unter den Nazis, Rudolf Hess, dürfte es sich bei der Beschäftigung mit Esoterik mehr um ein Privatinteresse ohne direkten Einfluss auf die Politik gehandelt haben. Beweisnot besteht auch für Verschwörungstheorien, wonach die Alliierten in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen angeblich Dokumente über den okkulten Einfluss auf die Naziführung bewusst verschwiegen.

Ariosophie
Bei einigen aktuellen Okkultisten ist ein deutliches Interesse an der alten ariosophischen Literatur vorhanden. Ein Beispiel nur.
Die Gnosis von Lanz von Liebenfels
Offensichtlich nichts mit Thelema und dem O.T.O. gemeinsam habend, drängt sich nun doch ein kleiner Ausflug in die Liebenfels'sche Gnosis auf.
Stellen aus Liebenfels' umfangreichem Gesamtwerk lesen sich wie ein Script zur "Planet der Affen" Kinoreihe.
Angesichts der riesigen Literaturlisten und Fussnoten und Zitate in Liebenfels' sehr umfangreichem Gesamtwerk, scheint es, dass er die okkulte Literatur seiner Zeit kannte. Und er setzte sich gegen eine libertinistische Auslegung der "klassischen" Gnosis ein.

Auch Issberner-Haldane wurde verboten. Die Abneigung schien gegenseitig: Es scheint, dass sich auch Liebenfels gegen den Nationalsozialismus ausgesprochen hat. [Wilfried Daim: "Der Mann, der Hitler die Ideen gab", 2. Auflage Wien 1985, 181]
Paranoia
"Der Judenkenner" nannte 1936 die Protagonisten beim Namen: Theodor Reuss, Aleister Crowley, Arnoldo Krumm-Heller, Rudolf Steiner, Ordo Templi Orientis, und stürmte in judenhetzerischer Manier dagegen an.
Faksimiles in "Der Grosse Theodor Reuss Reader", München 1997, Seiten 340ff.
Ein Zitat aus dem "O.T.O.-Phänomen REMIX", München 2001, Seite 44: "If the editor of Judenkenner was Ulrich Fleischauer (and this is by no means certain), he was in regular contact with Mgr Jouin of Révue Internationale des Sociétés Secrètes, and Hamilton Beamish of The Patriot in England. All these journals were preoccupied to some extent with this topic. Judenkenner published every week for almost two years during 1935-1936. Heydrich ordered the Security Service (SD), and the Secret Police (Gestapo) to seize documents from, and suppress, occult organisations on 20th July 1937, and the freemasonic lodges on 23rd April 1938. Whilst I am sure the SD and Gestapo did acquire juicy documents before these dates, I question whether they really acquired the most interesting information until after the suppression dates. For this reason, Ulrich Fleischauer's vast sources for Judenkenner remain a mystery, as does the nature of Heydrich's and Dr Francis Six's relationship with Fleischauer. Fleischauer later worked for Alfred Rosenberg, after Heydrich closed down Judenkenner in late 1936 (reason unknown)." [Paul Sturges]



Karl Germer über die Hetzartikel im "Judenkenner": "In the case of [Heinrich / Henry] Birven I know that he has a tremendous literature of the background of O.T.O. etc. and was in touch with the French leading circles. He was called to the Gestapo to testify or for questioning, but I am sure not seriously molested. He [Birven] and [Heinrich] Tränker threw it all on me, the wicked Germer. B. may, to save his skin, have supplied the Gestapo with additional information, not usually found in literature."
Germer glaubte also, in Birven und Tränker die Sündenböcke für seine Einlieferung ins Konzentrationslager gefunden zu haben [siehe oben].
Beispiele von rechter Anti-OT.O.- und Paranoia-Literatur der damaligen Zeit.
Literatur zur Paranoia der Weltverschwörungstheorien:
Helmut Reinalter (Hrsg.): "Verschwörungstheorien. Theorie - Geschichte - Wirkung", Innsbruck 2002
Gregor Schwartz-Bostunitsch schrieb auch zusammen mit Lanz von Liebenfels, Issberner-Haldane und Guido von List.
Lanz von Liebenfels, "Bibliomystikon" Pforzheim 1930, Werbung auf Seite 129

Siehe auch Rudolf von Sebottendorff:
Der Talisman des Rosenkreuzers. Einleitung von Albrecht Götz von Olenhusen



Hermann Rehwaldt versuchte 1935, sein Publikum auch mit einem Okkultroman zu beeinflussen, der unschwer die Fraternitas Saturni zu erkennen lässt.


Erwähnenswert ist hier Christian Kreuz, ein Pseudonym für den Baron Ernst Theodor Herbert von Bommsdorff-Bergen, der sich angeblich als Inkarnation von Baphomet sah. Mehr dazu in "Der O.T.O.-Phänomen REMIX", München 2001, Seite 72 

Interessanterweise gibt es ariosophische Literatur, die sich wohlwollend gegenüber der Fraternitas Saturni äusserte. Faksimiles in "In Nomine Demiurgi Nosferati", München 1999, Seiten 27ff.
Gibt es totalitäres Gedankengut in O.T.O. Logen oder in verwandten Okkultgruppen ausserhalb des deutschsprachigen Raums?
Marcelo Ramos Motta, einer der Kämpfer im O.T.O.Spielfeld, gebärdete sich als Antisemit und legte Crowleys Schriften entsprechend aus. Es ist hier müssig, näher darauf einzugehen. Der interessierte Leser sei z.B. auf sein "Magick Without Tears (Unexpurgated, Commented)", Nashville 1983 hingewiesen.
Christian Bouchet
In den politischen Ausrichtungen der vielen italienischen O.T.O.-Variationen bewundert man Hitler und Stalin gleichermassen. Die meisten Mitglieder rekrutieren sich aus der rechten Ecke. In Italien bestehen Kontakte zu einer Gruppe Orion: ehemalige Evolianer, die sich betont anti-imperialistisch und anti-amerikanisch geben, dafür aber philo-russisch (egal ob rechts oder links). In einem kunterbunten Durcheinander mischen auch Franzosen und Südamerikaner mit.
1993 trat Bouchet im Rahmen seiner Kontakte zur National-Bolshevik Front in einem russischen TV-Programm von Alexander Dugin auf. Das Interview wurde in Dugins Almanach "Mily Angel" und in "The way to Apocalypses. Knocking to the Golden Gate" (1997) von Yury Vorobyevsky gedruckt. Damit gab Bouchet ironischerweise die Initialzündung zum Start des 'Caliphats' in Russland, der im Frühjahr 2000 stattfaind. 
Paolo Fogagnolo
Als Beispiel einer anderen Art von politischem Extremismus' im Umkreis der O.T.O.-Gruppen möchte ich den Italiener Paolo Fogagnolo vorstellen.
Hypocrisy
Es ist eine Heuchelei, die Thelema innewohnt, die mir aufgefallen ist. Thelema will das Christentum ersetzen, den Staat ersetzen. Die Thelemiten wähnen sich selbst von einem zerstörerischen Staat, "diesem Schweinesystem", umgeben. Die meisten Thelemiten sehen sich in einer Welt voller Aggressionen, sind selbst von Aggressionen getrieben, die sie gegen alle, auch gegen sich selbst richten. Es soll hier aber vor allem über das 'Caliphat' gesprochen werden, weil diese O.T.O.-Variante die bekannteste ist. Ein massgebliches Hochgradmitglied, das hier ungenannt bleiben soll, spielt den Anteil von Leuten mit faschistoidem Gedankengut im O.T.O. herunter und weist darauf hin, dass sie ein paar Mitglieder ausgeschlossen haben, nachdem deren menschenfeindliche Haltung auffiel: "OTO doesn't admit known serious racists, and Nazi's are usually avowed racists. Once in the membership, it takes an actual offense to be kicked out -- including slander or very open racist behavior. Some have slipped in, but they typically don't stay long after their behavior gets obvious. 5/100's of one percent loosers of this type is not a bad statistic."
The Slaves Shall Serve
Sinnvollerweise sollten wir nur auf Äusserungen der Hochgradmitglieder eingehen, da diese Vorbildcharakter einnehmen. Besonders auffällig sind die beiden Büchlein des Uraltmitglied des 'Caliphats', James Wasserman, die sogar auf der offiziellen Webseite des 'Caliphats' beworben werden. Wasserman hat auch den Text verfasst, der jedem Crowley-Tarot-Set beiliegt. Reden wir aber von seinen zwei politisch gefärbten Werken: "The Templars and the Assassins" und "The Slaves Shall Serve".
The Sun Behind the Sun
Im Gegensatz zum Christentum und den anderen Weltreligionen verfügt Thelema über keine jahrtausende alte Tradition von Hermeneutik, Exegese und Apologetik. Eine solche scheint auch nicht vorgesehen, denn alles bei Thelema bezieht sich letztendlich immer auf Aleister Crowley.
[Animiertes Cartoon basiert auf einem Motiv aus "Struwwelhitler - A Nazi Story Book by Doktor Schrecklichkeit", 1941/2005, Berlin, ISBN 3-932909-30-5]
Über faschistoides Gedankengut in der von Theodor Reuss erstellten Leseliste für den O.T.O.: The Correct Gnosticism
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